Digitalisierung in allen Bereichen

Exyte widmet sich der Hochtechnologie für kontrollierte und regulierte Umgebungen

  • François Abiven, CEO Global Business Unit Life Sciences & Chemicals, ExyteFrançois Abiven, CEO Global Business Unit Life Sciences & Chemicals, Exyte

Neuausrichtung und Tradition, Umgestaltung und Erfahrung, Konzen­tration und Kompetenz: Wie bekommt ein Unternehmen in Zeiten der digitalen Transformation den Wandel gestemmt? Aus dem 1912 gegründeten Unternehmen M+W ist in 2018 die Exyte Group entstanden, ein weltweit in der Planung, Entwicklung und Konstruktion von High-Tech Fabriken und Anlagen tätiges Unternehmen mit besonderer Expertise für kontrollierte und regulierte Fertigungsumgebungen. CHEManager sprach mit François Abiven, CEO der Global Business Unit Life Sciences & Chemicals bei Exyte. Die Fragen stellte Volker Oestreich.

CHEManager: Herr Abiven, die Historie von Exyte ist lang und durchaus wechselvoll. Wie kam es dazu, dass sich Ihr Unternehmen nun mit einem neuen Namen neu aufgestellt hat?
François Abiven: Sie haben Recht, Exyte – früher M+W – blickt auf eine mehr als 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und ist heute globaler Marktführer bei der Planung und Konstruktion von kontrollierten und regulierten High-Tech-Anlagen.
Im vergangenen Jahr hat sich Exyte mit einem klaren Fokus auf drei Kernsegmente – nämlich Halbleiter, Life Sience & Chemicals sowie Datenzentren – strategisch neu aufgestellt, um auch in Zukunft von den immensen Wachstumspotenzialen in diesen Zielmärkten zu profitieren. Der neue Markenname war der nächste logische Schritt in dieser strategischen Entwicklung: Mit „Exyte“ haben wir uns für einen Namen entschieden, der sowohl unsere Strategie und unsere Wachstumsambitionen als auch unsere langjährige Erfahrung und technische Expertise als Pionier im Reinraumbereich widerspiegelt.

Wie profitieren Ihre Kunden von der Umorganisation?
F. Abiven: Während unsere Tradition ein wichtiger Bestandteil unserer Identität bleibt, müssen wir unseren Blick nach vorne richten. Life Sciences & Chemicals ist für uns ein strategisches Geschäftsfeld, in dem wir uns auf Pharma und Biotechnologie sowie Lebensmittel und Nahrung konzentrieren. Unsere Kunden arbeiten gerne mit uns zusammen, da wir ihnen weltweit schlüsselfertige Lösungen für ihre wichtigsten Investitionen liefern und dabei ihre Zeit- und Kostenpläne einhalten.
Im Rahmen unserer Neuausrichtung haben wir eine Matrix-Management-Struktur geschaffen, die sowohl die drei strategischen Kernsegmente als auch unsere drei übergeordneten Kernregionen – EMEA, APAC und AMER – berücksichtigt.

Diese Struktur ermöglicht es, unser gesammeltes Wissen über die Bedürfnisse unserer bestehenden Kunden und Lieferanten noch besser für unsere Dienstleistungen zu nutzen. Wir sind dadurch agiler und besser in der Lage, in neue Geschäftsbereiche wie zum Beispiel personalisierte Medizin vorzustoßen.

„Das Geschäft von Exyte ist eine Mischung aus Technologie,
Innovation und Menschen.“

Die Erfahrung und die Kundenbeziehungen langjähriger Mitarbeiter sind von großer Bedeutung für ein Technologieunternehmen wie Exyte. Wie beurteilen Sie unter diesem Aspekt die jüngsten personellen Umbrüche in Ihrem Unternehmen?
F. Abiven: Seit 2017 hat Exyte große Schritte unternommen, um seine Strategie auf schnell wachsende Märkte auszurichten. Die Reorganisation hatte zwar Auswirkungen auf unsere internen Strukturen, bietet gleichzeitig aber die Möglichkeit, neue Talente und erfahrene Führungskräfte und Mitarbeiter in unser Unternehmen zu holen und mit ihnen gemeinsam unsere Zukunft im Rahmen der neuen Ausrichtung zu gestalten. Um unser Wachstum weiter voranzutreiben und unsere marktführende Position zu halten, sind wir in allen Regionen, in denen wir Projekte durchführen, insbesondere in der DACH Region, USA, China und Singapur, ständig auf der Suche nach Talenten. Zudem ist es unser Anspruch, erfahrene und qualifizierte Führungskräfte und Mitarbeiter langfristig an uns zu binden.

Anlagen-Produktivität, Produkt-­Qualität und eine kurze Time-to-Market sind wichtige Wettbewerbsfaktoren in der Prozessindustrie. Welche Rolle spielen dabei Anlagenmanagement und ein lückenloser Informationsfluss im Rahmen von Digitalisierung und IIoT?
F. Abiven: Sowohl Anlagenmanagement als auch ein nahtloser Informationsfluss sind äußerst wichtige Erfolgskriterien. Während die Automatisierung in der Massenfertigung bereits weit fortgeschritten ist, geht es nun darum, die Prozesse zu vernetzen und durch Analyse und das geschickte Nutzen von Daten die Effizienz in der Fertigung zu verbessern. Die Industrie muss zunehmend auf cyber-physische Produktionsprozesse umstellen. Vernetzung und maschinelles Lernen sind die Voraussetzungen dafür, dass sich in Zukunft mehr und mehr Bereiche einer Produktion autonom steuern lassen.
Eines der Schlüsselelemente unserer Strategie ist Digitalisierung in allen Bereichen des Unternehmens. Unser Ziel ist dabei die Optimierung der Projektabwicklung und die Gewährleistung von zukunftssicheren Konstruktions- und Entwicklungsprozessen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Automatisierung, Zusammenarbeit und Cybersicherheit im Hinblick auf bestehende Industrie­standards. Um die Bedürfnisse unserer Kunden langfristig zu erfüllen, gilt für uns stets, nach den höchsten Standards in diesen Bereichen zu handeln.
Es sind Schlüsseltrends wie das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0, die das Wachstum unserer Märkte, vor allem in Hinblick auf die Marktsegmente für Halbleiter, Lebensmittel und Verbrauchs- und Pflegegüter, weiter vorantreiben.

Modulare Anlagenkonzepte spielen zukünftig insbesondere bei Life Sciences und Chemicals eine wichtige Rolle. Wie unterstützt Exyte diese Ansätze, damit neben der prozesstechnischen Verschaltung auch eine effiziente und herstellerunabhängige Kopplung der Automatisierung realisiert werden kann?
F. Abiven: Modulare Anlagenkonzepte in der Pharmabranche gibt es seit rund 30 Jahren. Diese blieben jedoch aufgrund gewisser Unzulänglichkeiten lange Zeit nur Nischenlösungen. Unser Angebot hingegen lässt sich flexibel an verschiedene Anforderungen, Anwendungen und örtliche Begebenheiten anpassen.
Unsere Vision geht noch weiter: Wir planen beispielsweise transportable Boxen, also Produkt und Service aus einer Hand anzubieten, und unsere Ingenieure arbeiten an Designkonzepten der Zukunft, die eine nahtlose Plug & Play-Automatisierung, Continuous Manufacturing und andere fortschrittliche Lösungen ermöglichen.

„Sowohl unsere Kunden als auch wir streben ein Höchstmaß
an Sicherheit, Qualität und Leistungsfähigkeit an.“

Besonders in den regulierten Industrien erzeugen GMP Anforderungen und Vorgaben von Behörden wie zum Beispiel der FDA einen besonderen Aufwand und erfordern eine hohe Expertise. Wie können Sie Ihre Kunden bei diesen Themen unterstützen?
F. Abiven: Wir kombinieren Fachwissen und Erfahrung im Anlagenbau und in der Verfahrenstechnik mit GMP-konformer Automatisierung und einer IT-Umgebung, die die Datenintegrität innerhalb der Anlage und entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet. Vor dem Hintergrund unserer Expertise im Reinraumbereich profitieren wir von einem umfassenden Verständnis der regulatorischen Rahmenbedingungen in allen Regionen, in denen wir tätig sind, und können unseren Kunden mit Fachexperten bei allen branchenrelevanten Themen unterstützen.
Wir sind der einzige Generalunternehmer mit einem integrierten Liefermodell. Dies gibt uns die einzigartige Position, unseren Kunden aus regulatorischer Sicht zu dienen, indem wir unsere regionalen Kompetenzzentren, Fertigungskapazitäten, spezialisierte interne Dienstleister und unser globales Netzwerk aus erfahrenen Experten nutzen.

Die Digitalisierung, Big Data und das IoT versprechen mehr Flexibilität und Wirtschaftlichkeit – aber nur, wenn man die gesammelten Daten sinnvoll nutzt und resistent gegen Cyber-Bedrohungen ist. Verdirbt das den Spaß an dem Weg zur Industrie 4.0?
F. Abiven: Datensicherheit ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit und gleichzeitig eine Frage der richtigen Vorbereitung. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung beschäftigen wir uns intensiv mit der Cybersecurity komplexer Assets und vernetzter Systeme, die den spezifischen Anforderungen verschiedener regulierter Branchen entsprechen müssen.
Das Spektrum der von uns angebotenen Cybersecurity-Lösungen deckt den gesamten Lebenszyklus einer Fabrik oder Anlage, deren Automatisierungs- und Produktions­datensysteme ab. Unsere Dienstleistungen umfassen mitunter eine IT-Sicherheitsberatung bezogen auf Anforderungen der Betreiber und die Implementierung von Informationssicherheits-Managementsystemen für IT und Produktion.
Im Bereich Cyber müssen wir als Menschen mit der Technologie zusammenwirken, um realistische Richtlinien und Prozesse für Cybersecurity fortlaufend weiterzuentwickeln.

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Exyte Central Europa GmbH
Löwentorbogen 9b
70376 Stuttgart
Germany

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