Engineering-Software-Anbieter Intergraph agiert international und innovationsgetrieben

CHEManager-Interview mit Günter Mauß, Vizepräsident Zentral und Osteuropa bei Intergraph PP&M

  • Günter Mauß, Vizepräsident Zentral- und Osteuropa, Intergraph PP&M)Günter Mauß, Vizepräsident Zentral- und Osteuropa, Intergraph PP&M)

Der Wettbewerb wird internationaler, die Herausforderungen ändern sich ständig. Dies gilt für Chemiekonzerne genauso wie für ihre Zulieferer und Dienstleister. Intergraph PP&M, einer von zwei Geschäftsbereichen der Intergraph Corporation, ist ein führender globaler Anbieter von Engineering-Software für die Prozessindustrie, den Kraftwerks- und den Schiffsbau. Intergraphs Lösungen unterstützen Chemieunternehmen bei der Planung, Konstruktion und Instandhaltung von Anlagen. Dies ermöglicht eine schnellere Markteinführung und optimierte Lieferketten. Eigentümer von Chemieanlagen erhalten Kontrolle über ihren wertvollen Informationsbestand, um damit ihre Produkte schneller herzustellen oder zu verarbeiten. Dr. Michael Reubold sprach mit Günter Mauß, Vizepräsident Zentral- und Osteuropa bei Intergraph, über die Bedeutung von Innovation und andere Herausforderungen für Anlagenplanung und Anlagenbau.

CHEManager: Herr Mauß, wie verteilt sich der Umsatz von Intergraph PP&M regional und welchen Anteil macht die Chemieindustrie in Ihrer Bilanz aus?

G. Mauß: Weltweit verteilt sich unser Erfolg etwa zu gleichen Teilen auf Amerika, Europa und Afrika, sowie Asien. Nach Branchen betrachtet liegt der Anteil von Öl und Gas bei über der Hälfte, 20 % machen Chemie und Pharma aus, 15 % entfallen auf die Energiebranche und fünf Prozent auf den Bergbau. Die restlichen fünf Prozent machen alle anderen Projekte zusammen aus. In der DACH-Region sind die Anteile aus der Chemie und dem Kraftwerksbau höher.

Wie schätzen Sie Ihre derzeitige Geschäftssituation in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Osteuropa ein?

G. Mauß: Basierend auf einer Marktstudie des unabhängigen Beratungsunternehmen ARC ist der Intergraph-Geschäftsbereich PP&M weltweit Markführer in unserer Industrie. Unsere Umsätze in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz - kurz: DACH - haben sich im Zeitraum 2010 bis 2013 um ca. 36 % erhöht.

Die Region ist sehr stark geprägt von den Branchen Chemie und Pharma, aber auch vom Kraftwerksbau. Allerdings sind durch die Energiewende große Kraftwerksprojekte in Deutschland rückläufig.

Osteuropa ist insbesondere durch Russland eine Wachstumsregion, in welcher neben dem Kernkraftwerksbau speziell im Segment Oil & Gas sehr viele und große Projekte gibt.

Bei welcher Art von Projekten liegt der Schwerpunkt Ihres Geschäfts?

G. Mauß: Wir kommen traditionell aus dem Bereich EPC - Engineering-Procurement-Construction -, das heißt wir liefern ‚schlüsselfertige' Anlagen, die wir auch planen. In dem Bereich erweitern wir unsere integrierten Lösungen permanent. Darüber hinaus haben wir über die letzten Jahre sehr viel Innovationskraft in Lösungen für Owner/Operator investiert, welche mittlerweile weltweit eine sehr hohe Akzeptanz finden. Auch in der DACH-Region können diese Lösungen den Betreibern vielversprechende Vorteile bieten. Weltweit erzielen wir etwa 30 % unseres globalen Umsatzes mit Owner-Operator-Projekten.

Die Förderung von Schiefergas in Nordamerika boomt. In welchem Ausmaß hat dieser Boom Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

G. Mauß: Obwohl in Deutschland politisch diskutiert, partizipieren EPC-Unternehmen aus der DACH-Region durchaus an der Schiefergas-Technologie. Sie sind im Basis- und Detail-Engineering, sowie im Einkauf tätig, bringen Lieferleistungen sowie Serviceleistungen während des Baus und der Inbetriebnahme. Diese Unternehmen konnten sich mit ihrem Anlagen-Know-how für Flüssigerdgas-Projekte, aber auch bei der Herstellung von Düngemittel, Harnstoff, Ammoniak usw. behaupten.

Vor welchen Problemen und Herausforderungen stehen Ihre Kunden derzeit?

G. Mauß: Anlagenplaner sehen sich einem steigenden globaleren Konkurrenzdruck ausgesetzt bei gleichzeitig steigender Komplexität von Anlagenprojekten und immer kürzeren geforderten Projektlaufzeiten. Effektive Zusammenarbeit über Länder und auch Firmengrenzen hinweg gewinnen auch im Kontext der Weiterentwicklung der Informationstechnologie an Bedeutung. Dabei ist eine zweite Herausforderung, dass sie globale Strukturen unterstützen müssen.

Außerdem: Betreiber besitzen typischerweise eine enorme und über die Jahre gewachsene Menge an Engineering- und Betriebsdaten und Dokumenten, welche in unterschiedlichsten Formaten und in sehr unterschiedlicher Qualität vorliegen. Diese unstrukturierten Daten unterstützen den Betreiber in seinen nötigen Arbeitsprozessen bei weitem nicht optimal und sie bzw. deren Ordnung sind ebenfalls eine Herausforderung, die zu bewältigen ist.

Welche Lösungen haben Sie dafür parat?

G. Mauß: Intergraph PP&M hat ein umfangreiches und den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abdeckendes Portfolio von Lösungen für die Planung und Betrieb bis hin zum Rückbau einer Anlage.

Dem Planer steht mit Smart 3D eine Lösung zur Verfügung, welche den Anforderungen steigender Komplexität und immer kürzeren Projektlaufzeiten gerecht wird. Smart3D wurde insbesondere auf Interoperabilität mit Fremdformaten und der Kollaboration mit anderen Gewerken und Planungspartnern im Sinne einer globalen Abwicklung über Workshare ausgelegt.

Mit SmartPlant Enterprise für Owner Operator steht ein System mit modularen, anpassbaren aber vorkonfigurierten Arbeitsprozessen bereit, welche die Bestandsdaten und aktuelleren intelligenten CAE Informationen zusammenführt und unter einer einheitlichen Plattform den Mitarbeitern kontrolliert zur Verfügung stellt. Dies führt unter anderem zu erhöhter Transparenz, Fehlervermeidung und schnelleren Durchlaufzeiten bei den Arbeitsprozessen.

Eine Reihe von Anlagen sind nicht mehr die Jüngsten. Vor welche Herausforderungen stellen diese Alt-Anlagen Unternehmen wie Intergraph und was sind die Unterschiede zu Neu-Anlagen?

G. Mauß: Typischerweise verfügen die meisten älteren Anlagen über eine große Menge an Dokumenten, Zeichnungen, Modellen, Listen und Datenblättern, die in verschiedenen Formaten und Datenbanken in der Organisation verteilt sind. Das Resultat - ein hoher Aufwand beim Suchen und Finden der Informationen, gerade dann wenn sie am dringendsten benötigt werden, wie z.B. bei der Stillstandsplanung, Compliance-Prüfungen, Notfallabschaltungen oder Erweiterungen oder Modifikationen der Anlage. Aber auch in Neu-Projekten stellt sich die Herausforderung eine große Menge an unstrukturierten Engineering-Daten aus verschiedenen Quellen wie Lieferanten, Herstellern, oder Ingenieur-Büros möglichst effizient zu verwalten.

SmartPlant Fusion ist eine neue Lösung von Intergraph zur schnellen Erfassung, Organisation und Bereitstellung großer Mengen unstrukturierter Daten über eine einfache Webportaloberfläche. Zu diesen unstrukturierten Daten zählen Dokumente, Zeichnungen, Listen und Datenblätter, 3D-CAD Modelle und sogar Laserscans und hochauflösende Fotos. Die Lösung erkennt Duplikate in den Dokumenten und gibt dem Anwender die Möglichkeit, diese miteinander zu vergleichen. Zusätzlich haben wir ein vereinfachtes Admin-Modul, dass es dem Anwender erlaubt, einfach und schnell Regeln zu definieren. Unser großer Vorteil ist die Möglichkeit, die von Fusion organisierten Tags und Dokumente dann ins Planung- und Verwaltungssystem zu übertragen und dort intelligent zu managen.

Welche Bedeutung hat der Bereich Forschung und Entwicklung für Ihr Geschäft? Welche Innovationen erwarten Ihre Kunden von Intergraph?

G. Mauß: Im Hinblick auf den weltweiten Umsatz investieren wir pro Jahr ca. 15 % in Forschung und Entwicklung, 2014 werden es etwa 75 Mio. US-$ sein. Das zeigt, wie wichtig es uns ist, auch weiterhin innovationsgetrieben zu agieren.

Auch lokal haben wir durch die Schließung einer Lücke mit der „digitalen Kette" beigetragen: So erlaubt unsere Lösung für die Rohrleitungsfertigung die Datenübertragung aus dem 3D-Modell direkt bis hin zur Rohrbiegemaschine.

Beobachten Sie einen Unterschied zwischen Kunden, die in Ihrer eigenen Anlage ein System implementieren lassen und Kunden, die in einer ‚fremden' Anlage arbeiten, also OO vs. EPC?

G. Mauß: Betreiber stehen angesichts steigenden Kostendrucks im Betrieb der Anlagen verstärkt vor der Herausforderung, unterschiedlichste Systeme effizient in die Betriebsprozesse einzugliedern. Es ist ein Trend zu verzeichnen, dass OO vermehrt einen zentralen Zugriff fordern und diese auch von den EPCs einfordern. Cloud-Lösungen und Citrix-Zugänge halten immer mehr Einzug in die Betreiberwelt. Intergraph hat mit seiner Lösung „SmartPlant Cloud" für diesen Trend die passende Antwort.

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Siriusdreef 2
2132 WT Hoofddorp
The Netherlands

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