Bioactives für Massenanwendungen

MK2 Biotechnologies: Peptide als funktionelle Stoffklasse - der lange Weg vom Milligramm- zum Massenprodukt

  • Das Gründerteam vom MK2 (v.l.n.r.): Konstantinos Antonopoulos, Marco Giuman, Sebastian Mangold. Ungewöhnliche Regeln: Visitenkarten bei Terminen vergessen kostet beim Start-up MK2 Biotechnologies ein Mittagessen, den Rechner vor dem Verlassen nicht sperren einen selbstgemachten Kuchen.Das Gründerteam vom MK2 (v.l.n.r.): Konstantinos Antonopoulos, Marco Giuman, Sebastian Mangold. Ungewöhnliche Regeln: Visitenkarten bei Terminen vergessen kostet beim Start-up MK2 Biotechnologies ein Mittagessen, den Rechner vor dem Verlassen nicht sperren einen selbstgemachten Kuchen.
  • Das Gründerteam vom MK2 (v.l.n.r.): Konstantinos Antonopoulos, Marco Giuman, Sebastian Mangold. Ungewöhnliche Regeln: Visitenkarten bei Terminen vergessen kostet beim Start-up MK2 Biotechnologies ein Mittagessen, den Rechner vor dem Verlassen nicht sperren einen selbstgemachten Kuchen.
  • Herkömmliche chemische Synthesen scheitern bei der korrekten Vervollständigung von komplexen Peptiden. Der von MK2 Biotechnologies entwickelte Prozess überwindet diese Probleme.
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Peptide werden zwar bereits heute industriell eingesetzt, tatsächlich wird jedoch nur ein Bruchteil des Potenzials dieser Stoffklasse genutzt, denn herkömmliche Syntheseverfahren produzieren schlicht zu teuer und zu unrein. MK2 Biotechnologies will das ändern und Peptide durch Innovation und Skalierung für Massenmärkte qualifizieren und positionieren. So können nachhaltige Anwendungen in der Kosmetik-, Pharma- und Agroindustrie mit marktfähigen Produkten, die bisher nur im Labormaßstab nachgewiesen werden konnten, erschlossen werden. Das Gründerteam erläutert CHEManager seine Strategie.

CHEManager: Vor dem Abenteuer MK2 Biotechnologies waren zwei Drittel des Gründertrios bei einem Großkonzern beschäftigt. Was hat Sie zum Schritt in die Selbstständigkeit bewogen?

Sebastian Mangold: Die Arbeitsbedingungen in großen Unternehmen, insbesondere in Deutschland, sind natürlich sehr attraktiv. Das Umfeld sowie die Technologie von MK2 Biotechnologies waren allerdings spannend genug, um zumindest einen genaueren Blick auf das tatsächliche Potenzial zu werfen. Wir haben erkannt, dass wir diese sich bietende Chance aus eigener Kraft nutzen und etwas Spannendes, Erfüllendes und wirtschaftlich Attraktives aufbauen können.

Peptide finden sich heute bereits in Massenprodukten. Wie groß ist denn ihr tatsächliches Potenzial?

Konstantinos Antonopoulos: Aus der Wissenschaft haben wir umfangreiche Kenntnisse darüber, dass Peptide zahlreiche gesellschaftliche Herausforderungen lösen könnten. Ich denke z.B. an Antibiotikaresistenzen oder die Kollateralschäden der Schädlingsbekämpfung und Düngung in der Landwirtschaft. Die schier unendlichen Design- und Funktionalisierungsmöglichkeiten lassen nur erahnen, welche biologischen Einsatzgebiete sich ergeben.

Heute werden nahezu ausschließlich kurze oder chemisch einfache Peptide eingesetzt, da die sich gerade noch wirtschaftlich produzieren lassen – sie haben allerdings auch nur eingeschränkte Funktionalität. Die besonders spannenden Peptide sind heute zu teuer und haben wirtschaftlich kaum eine Chance gegen die klassische Chemie. Dieses Problem wollen wir lösen.

Wie stellen Sie solche Peptide her?

Marco Giuman: Wir haben eine flexible rekombinante Syntheseplattform entwickelt, die uns die Synthese beliebiger hochreiner Peptide zu geringen Kosten erlaubt. Dadurch, dass das Verfahren durchgängig skalierbar ist, ist auch eine Produktion im Tonnenmaßstab mit entsprechender Economy-of-scale vorstellbar. Wir haben bei der Prozessentwicklung insbesondere darauf Wert gelegt, Flaschenhälse zu beseitigen und dennoch möglichst bekanntes Know-how einzusetzen, um nicht das Rad komplett neu erfinden zu müssen.

Wie sehen Sie sich im Feld der Wettbewerber?

S. Mangold: Wir wollen erst gar nicht in das bestehende Wettbewerberfeld vorrücken, sondern gleich Produkte entwickeln, die durch die Wettbewerber, wenn überhaupt nur mit großer Mühe bereitgestellt werden können. Somit sehen wir uns nicht als einen weiteren Player um die wenigen Brötchen, sondern erweitern den Markt um völlig neue Möglichkeiten.

Was sind ihre mittel- und langfristigen Ziele?

K. Antonopoulos: Wir wollen zu einem Wandel von der klassischen chemischen hin zur nachhaltigen Bioökonomie beitragen. Entscheidend dafür wird sein, ein Produktportfolio zu entwickeln, welches ernsthafte gesellschaftliche Herausforderungen adressiert, und dieses für Massenanwendungen bereitzustellen. Das heißt: Volumina massiv steigern, Kosten massiv senken. Langfristig wollen wir uns als führender Anbieter biotechnologischer Lösungen in Personal Care, Agrartechnologie und Medizin etablieren.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Skalierung?

M. Giuman: Die Skalierung kann nur mit dem richtigen Partner gelingen, der geeignetes Know-how und flexibel einsetzbare Infrastrukturkomponenten hat sowie die gleiche „Sprache“ spricht. Den muss man im Dickicht der vielen CMOs und potenziellen strategischen Partner erstmal identifizieren; keine leichte Aufgabe, wenn man nicht bereits eigenes tiefgreifendes Know-how in der Produktion in großen Skalen mitbringt.

Was bedeutet Gründen für Sie?

K. Antonopoulos: Gründen bedeutet schnell sein. Entscheidend ist allerdings nicht nur die Geschwindigkeit der Arbeit, sondern insbesondere auch die der Entscheidungen, der Lernprozesse, der Loslösung und Anpassung, des Aufstehens nach Rückschlägen sowie der persönlichen Entwicklung. Außerdem sind Mut, Vertrauen und ein gutes Maß an Optimismus notwendig, sonst steht man sich selbst im Weg. Man ist als Gründer dauerhaft in der Doppelrolle des blue- und white-collar-Trägers, deren Gewichtung nicht einfach ist. Da quasi niemand all diese Fähigkeiten gleichzeitig verkörpert, braucht es zur Ausschöpfung des vollen Potenzials ein gutes Team, das sich ergänzt, sich unterstützt und sich ständig weiterentwickelt.

Wie steht es um Ihre Finanzierung?

S. Mangold: Durch unsere laufende Finanzierung können wir uns ein ca. 7-köpfiges operatives Team leisten. Aktuell suchen wir Investoren für eine Finanzierungsrunde von bis zu 5 Mio. EUR, mit der wir weiter Geschwindigkeit aufnehmen wollen, durch neue Mitarbeiter, Infrastruktur und zusätzliche Bemühungen im Business Development. Das alles wird die Entwicklung eines attraktiven massenmarktfähigen Produktportfolios sowie den Transfer zu industriellen Maßstäben erlauben.

Welche ungewöhnlichen Regeln gibt es bei MK2 Biotechnologies?

M. Giuman: Rechner vor dem Verlassen nicht sperren kostet einen selbstgemachten Kuchen, Visitenkarten bei Terminen vergessen ein Mittagessen. Eines lässt sich offen sagen: Wir essen sehr häufig Kuchen.

 


ZUR PERSON
Konstantinos Antonopoulos studierte Physik an der TU München und promovierte als Elektrochemiker bei BMW. Während seines Studiums agierte er bereits als COO eines Handels-Start-ups. Nach seiner Promotion war er einige Jahre als Technologie-Scout und F&E-Projektleiter bei BMW tätig. Seit 2018 hat er seinen Fokus auf seine Funktion als CEO von MK2 Biotechnologies gerichtet.

Marco Giuman studierte Chemie und promovierte an der TU München. Seit 2017 arbeitet er am Projekt MK2 Biotechnologies, wo er sein Prozess-Know-how um das Fachgebiet der molekularen Biotechnologie erheblich erweitert hat. Giuman verantwortet als CTO u.a. die F&E-Aktivitäten.

Sebastian Mangold studierte Technologie- und Managementorientierte BWL an der der TU München. Seine Promotion absolvierte er in einem Industrieprojekt zwischen BMW und der TUM im Forschungsfeld „Strategie & Organisation“. Danach verantwortete er als Projektleiter Prozessrestrukturierungen auf Basis von Six Sigma-Methoden. Mangold verantwortet bei MK2 Biotechnologies als CFO insbesondere alle Finanz- und Organisationsthemen.


BUSINESS IDEA

Peptide für Massenanwendungen

Peptide haben außergewöhnliche Eigenschaften und Wirkweisen, weshalb die Stoffklasse seit längerer Zeit hochattraktive Anwendungen in den Bereichen Personal Care, Food & Beverages, Landwirtschaft und APIs verspricht. Hochgerechnet handelt es sich um ein weltweites zweistelliges Milliarden-Potenzial. Die am Markt etablierten Produktionsverfahren sind allerdings teils derart kostenintensiv, dass Peptide trotz ihrer häufig überragenden Eigenschaften und dem Interesse der Industrie bisher keine Anwendung in Produkten auf dem Massenmarkt finden.

MK2 Biotechnologies hat ein Verfahren entwickelt, mit welchem hochreine Peptide skalierbar und kostengünstig für beliebige Anwendungen hergestellt werden können. Konkret handelt es sich um eine gängige rekombinante Proteinexpression mit anschließender Reinigung über Affinität über ein ubiquitär verfügbares, extrem kostengünstiges Material. Durch diesen innovativen sowie erstmalig auch durchgängig skalierbaren Prozess konnte der bisherige Flaschenhals und Hauptkostenfaktor etablierter Methoden (Reinigung mit HPLC) vollständig aus der Prozesskette eliminiert werden. Das Kostensenkungspotential beträgt bei zunehmender Skalierung mehrere Größenordnungen – eine Notwendigkeit für die industrielle Anwendung von Peptiden. Dadurch steht das bisher fehlende Werkzeug für die Anwendung von Peptiden in Massenmärkten zur Verfügung.

Die Vorteile auf einen Blick

  • Beliebige Peptidlängen und -sequenzen
  • Authentische Termini
  • Reinheit ohne HPLC >95 %
  • Durchgängige Skalierbarkeit
  • Enormes Potenzial zu großs­kaliger Produktion bei hoher Reinheit und geringen Kosten
  • Geschäftsmodell

MK2 Biotechnologies will sich zu einem Produzenten von Peptiden für den industriellen Einsatz entwickeln. Dabei werden die Peptide für Kunden eine Commodity darstellen, also eine Einkaufskomponente ihres finalen Produktes. Auch können Teile der Technologie für spezielle Anwendungen wie z.B. der Proteinreinigung lizenziert werden.


ELEVATOR PITCH

Die Zukunft fest im Blick

MK2 Biotechnologies adressiert durch die universell einsetzbare Plattform zur Synthese von Peptiden beliebiger Länge und Zusammensetzung einen bisher ungedeckten Bedarf. Durch das durchgängig skalierbare Syntheseverfahren können auch heute noch schwer zugänglichen Peptide für Massenanwendungen rein und günstig produziert werden. Durch die Technologie von MK2 Biotechnologies eröffnen sich für Peptide völlig neue Einsatzgebiete – ein großer Schritt hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie. Durch die laufende Finanzierung kann sich das Start-up ein ca. 7-köpfiges operatives Team leisten. Aktuell suchen die Gründer Investoren für eine Finanzierungsrunde von bis zu 5 Mio. EUR, mit der sie weiter Geschwindigkeit aufnehmen wollen, durch neue Mitarbeiter, Infrastruktur und zusätzliche Bemühungen im Business Development. Das wird die Entwicklung eines attraktiven massenmarktfähigen Produktportfolios sowie den Transfer zu industriellen Maßstäben erlauben.

Preise/Auszeichnungen

2017

- 1. Preis des TUM IdeAwards

2018

- Finalist beim Achema Gründerpreis

- Sieger European Health Catapult Audience Award

2019

- Gewinner der Konzeptphase des Science4Life Venture Cup

- Sieger der ersten Phase und Finalist der zweiten Phase im Münchener Businessplan Wettbewerb

- Finalist start2grow-Gründungswettbewerb

- Finalist Bio-Gründer-Wettbewerb

- Finalist PlanB-Gründerwettbewerb 2019

Funding

2017

- Förderung durch die Zeidler-Forschungs-Stiftung

2018

- Förderung durch FLÜGGE

- Förderung durch EXIST Forschungstransfer

Ziele

2020

- Serie-A-Finanzierungsrunde in Höhe von bis zu 5 Mio. EUR

- Entwicklung Produktpalette durch strategische Kooperationen

- Skalierung auf Pilotanlagen

- Teamwachstum

- Internationaler Markteintritt

Über CHEManager Innovation Pitch
CHEManager Innovation Pitch ist nicht nur eine Präsentationsplattform für Start-ups in den monatlichen Printausgaben des CHEManager, sondern auch auf einer eigenen Online-Plattform. Besuchen Sie www.chemanager-innovationpitch.de und finden Sie weitere Start-ups aus der Chemiebranche und Informationen über unsere Sponsoren, die den CHEManager Innovation Pitch unterstützen.

Autor(en)

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mk2 Biotechnologies
Fallstr. 9
81369 München
Germany

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