Infraserv Höchst hält mehr Investitionen in die Wasserwege für notwendig

  • Der Trimodalport in Höchst ermöglicht es, Container direkt zwischen Bahn, LKW und Schiff zu verladen.Der Trimodalport in Höchst ermöglicht es, Container direkt zwischen Bahn, LKW und Schiff zu verladen.
  • Der Trimodalport in Höchst ermöglicht es, Container direkt zwischen Bahn, LKW und Schiff zu verladen.
  • Der Main, der durch den Industriepark fließt, verbindet diesen über den Rhein direkt mit den Häfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam.

Bis zum Jahr 2030 wird das Transportaufkommen in ganz Deutschland um 18% ansteigen – so sagt es die Verkehrsverflechtungsprognose 2030 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur voraus. Die Chemische Industrie als eine der Branchen mit dem höchsten Transportaufkommen ist besonders auf eine funktionsfähige und zuverlässige Infrastruktur angewiesen. Dabei ist das Binnenschiff für sie ein sehr geeignetes Verkehrsmittel. Jedoch stehen einer optimalen Auslastung der Wasserwege noch einige Hindernisse im Weg.

Der Prognose zufolge wird das Transportaufkommen in der deutschen Binnenschifffahrt bis zum Jahr 2030 um 20% anwachsen. Diese Entwicklung ist zu einem großen Teil auf den Anstieg im Containerverkehr, vornehmlich zwischen den Seehäfen und dem Hinterland, zurückzuführen: Die Studie prognostiziert, dass das Aufkommen im Seehafenhinterlandverkehr um gut 72% steigen wird. Gut ausgebaute Hafenanlagen sind dabei unentbehrlich für die deutsche Wirtschaft – ohne einen effizienten Umschlagsplatz wird auch der beste Transportweg zum Nadelöhr.

Gerade Unternehmen der Chemischen Industrie sind darauf angewiesen, dass diese mit anderen Verkehrsmitteln wie Bahn oder LKW vernetzt sind, denn nur so ist die Zuverlässigkeit und Effizienz der Logistik gewährleistet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere der Bereich des kombinierten Verkehrs in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Laut Studie wird das Transportaufkommen um 79% ansteigen. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist der Verkehr zwischen den Standorten im Binnenland und den Seehäfen wie Amsterdam, Rotterdam oder Hamburg – wichtige Knotenpunkte für die exportorientierte Chemische Industrie. Das Aufkommen im Seehafenhinterlandverkehr wird voraussichtlich deutlich stärker wachsen als der restliche kombinierte Verkehr, so sieht es das Bundesverkehrsministerium voraus.

Stärkere Verlagerung auf Wasserwege erschwert

2014 wickelte die Chemische Industrie 17% ihrer Beförderungsleistung über die Wasserwege ab. Schiffe sind effizient, zuverlässig und sicher und gehören daher zu den bevorzugten Verkehrsmitteln der Branche. Gemeinsam mit der Eisenbahn decken sie die Grundlast ihrer Güterströme ab.

Eine Erhöhung des Transportaufkommens auf den Wasserwegen ist jedoch nicht ohne weiteres möglich. Um das Potenzial der Binnenschifffahrt optimal zu nutzen, braucht es eine bessere Infrastruktur. Dazu müssen einige der bestehenden Wasserwege ausgebaut und modernisiert werden, denn viele Anlagen wie Wehre oder Hochwasser-Sperrwerke sind sanierungsbedürftig oder müssen vollständig ersetzt werden. Das gilt auch für Schleusen, von denen manche älter sind als 100 Jahre. Niedrige Durchfahrtshöhen an Brücken, zum großen Teil an westdeutschen Wasserwegen, erschweren zudem vielerorts die Verschiffung von Containern – ein doppellagiger Transport ist häufig nicht möglich. Sie müssten daher dringend angehoben werden. Außerdem sollten wichtige Flüsse wie der Rhein vertieft werden.

So entstünde eine durchgängige Abladetiefe, die insbesondere die Beförderung von Gütern zwischen den Seehäfen und den Standorten im Hinterland vereinfachen würde. Derzeit ist die Binnenschifffahrt zudem abhängiger von Hoch- und Niedrigwasser als sie sein müsste. Diese saisonalen Einschränkungen könnten durch einen umweltverträglichen Ausbau der Wasserwege verringert werden. Werden diese Herausforderungen angegangen, kann die Chemische Industrie künftig das ganze Potenzial der Wasserwege nutzen und die Effizienz ihrer Logistik weiter erhöhen. Der Bundesverkehrswegeplan 2030 geht dabei in eine richtige Richtung, greift aber an einigen Stellen noch zu kurz. Er räumt der Anbindung der Seehäfen an das Hinterland eine große Bedeutung zu. So soll der Wesel-Datteln-Kanal erweitert und die Schleusen auf dem Neckar und der Mosel ausgebaut werden. Außerdem sieht er vor, den Rhein im Mittelrheingebiet und zwischen Duisburg und Köln zu vertiefen. Die Umsetzung dieser Projekte reicht jedoch nicht aus, das Potenzial der Schifffahrt optimal zu nutzen. So müsste bspw. der Rhein eine einheitliche Abladetiefe aufweisen, um eine bessere Anbindung an die Seehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen zu ermöglichen. Dies ist derzeit unter anderem im Bereich bis Koblenz nicht der Fall.

Wichtige Drehscheibe im Rhein-Main-Gebiet

Ein gutes Beispiel, wie verschiedene Verkehrsträger zum Vorteil der Unternehmen verknüpft werden können, ist der Industriepark Höchst. Angebunden an gleich vier Transportwege ist er ein wichtiger Knotenpunkt im Rhein-Main-Gebiet: Der Standort liegt in unmittelbarer Nähe der Autobahnen A3 und A5 sowie des Frankfurter Flughafens und ist direkt mit dem Schienennetz der Deutschen Bahn verbunden. Der Main, der durch den Industriepark fließt, verbindet diesen über den Rhein direkt mit den Häfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam. Der Trimodalport in Höchst ermöglicht es, Container direkt zwischen Bahn, LKW und Schiff zu verladen. Er wird daher von Unternehmen aus der gesamten Region bis nach Aschaffenburg und Würzburg zum Warenumschlag genutzt. Auch die Lagerung von Containern mit und ohne Gefahrgut ist möglich.

Unternehmen am Standort profitieren davon, über den Hafen Container und Massengut ohne LKW-Transport direkt von den Seehäfen anliefern zu lassen oder dorthin zu transportieren. Daher haben sich viele Unternehmen dazu entschieden, den Großteil ihrer Rohstoffversorgung über das Binnenschiff abzudecken. Die Anbindung an die Schiene verhindert, dass auch bei Hoch- und Niedrigwasser Engpässe entstehen. Derzeit kommen jeweils etwa 20% der Güter über den Wasserweg und die Schiene in den Industriepark, 60% erreichen den Standort über die Straße. Aufgrund der günstigen Bedingungen ist zu erwarten, dass die Rohstoffversorgung über das Schiff in den kommenden Jahren zunehmen wird.

Eine Besonderheit des Standorts ist das große Tanklager in unmittelbarer Nähe der Hafenanlage. Hier können die ansässigen Unternehmen flüssige Güter lagern und Rohstoffe bis zu ihrer Verwendung oder Produktionsmengen bis zu ihrer Weiterverwertung oder dem Export speichern. Das Tanklager erfüllt alle Anforderungen an die Lagerung von Gefahrstoffen. Diese Vielseitigkeit der nutzbaren Transportmöglichkeiten macht den Industriestandort zu einer wichtigen Drehscheibe im Rhein-Main-Gebiet, an der nicht nur ansässige Unternehmen Waren umschlagen, sondern auch Kapazitäten aus der ganzen Region gebündelt werden können. (op)

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