Chemiekonjunktur – Chemieumsätze sinken um 5 %

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2019 zurück

  • „Die Chemie- und Pharmaindustrie verbuchte im Gesamtjahr 2019 einen Produktionsrückgang von 7,5 %.“ ©mmmx/Shutterstock„Die Chemie- und Pharmaindustrie verbuchte im Gesamtjahr 2019 einen Produktionsrückgang von 7,5 %.“ ©mmmx/Shutterstock
  • „Die Chemie- und Pharmaindustrie verbuchte im Gesamtjahr 2019 einen Produktionsrückgang von 7,5 %.“ ©mmmx/Shutterstock
  • Henrik Meincke, Verband der Chemischen Industrie
  • Produktion im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland
  • Produktion in der deutschen Chemie nach Sparten
  • Erzeugerpreise in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie
  • Kerindindikatoren der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie 2020

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland blickt insgesamt auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2019 zurück. Weltweit befand sich die Konjunktur im Abschwung. Protektionismus und Handelsstreitigkeiten dämpften das Wachstum nicht nur in den USA und China, sondern zunehmend auch in Europa. Während die Dienstleistungssektoren und die Bauwirtschaft noch auf Wachstumskurs blieben, rutschte die Industrie in vielen Ländern in die Rezession.

Deutschland war aufgrund seiner Exportorientierung, seines hohen Industrieanteils und der Ausrichtung auf den Fahrzeug- und Maschinenbau früher und stärker als andere Nationen von der weltweiten konjunkturellen Abschwächung betroffen. Seit Mitte des Jahres 2018 befindet sich die deutsche Industrieproduktion im Sinkflug (Grafik 1). Strukturelle Umbrüche – wie bspw. in der Automobilindustrie – und sich verschlechternde Standortbedingungen kamen hinzu. Dementsprechend stark fiel der Produktionsrückgang in der deutschen Industrie insgesamt aus (-4% ggü. Vj.).

Produktionsdrosselung in nahezu allen Sparten

„Die Chemie- und Pharmaindustrie verbuchte
im Gesamtjahr 2019
einen Produktionsrückgang von 7,5 %.“

In diesem Umfeld sank die Nachfrage nach Chemieprodukten im In- und Ausland. Denn wichtige Kundenindustrien – vor allem die Automobilindustrie und ihre Zulieferer – drosselten ihre Produktion kräftig. Aber auch andere chemieintensive Branchen hielten sich mit Bestellungen zurück. Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie musste daher im Gesamtjahr 2019 einen Produktionsrückgang von 7,5 % verbuchen. Allerdings spielte hier immer noch der Sondereffekt bei Pharma (-16,5 %) eine entscheidende Rolle. Die Chemieproduktion ohne Pharma ging um 2,5 % zurück.

Mit Ausnahme der konsumnahen Chemikalien und der anorganischen Grundstoffe rutschten alle Chemiesparten ins Minus (Grafik 2). Die Basischemie lag insgesamt deutlich unter Vorjahr, wenngleich die Entwicklung innerhalb der Sparte uneinheitlich war. Am besten lief es für die Hersteller von Anorganika.

Diese konnten im Jahr 2019 sogar ein Plus verbuchen. Hier war die Produktion im Vorjahr bereits früh eingebrochen, sodass mit kleinen Zuwächsen im Jahresverlauf 2019 ein Plus erreicht werden konnte. Die Produktion von Petrochemikalien lag 2019 rund 1 % niedriger als ein Jahr zuvor. Damit konnte die Sparte den bereits seit 2010 vorherrschenden negativen Trend auch in 2019 nicht durchbrechen. Hohe Kosten am Standort und ein steigender Importdruck machen den Herstellern zu schaffen. Am deutlichsten waren die Polymerproduzenten vom Rückgang betroffen. Eine schwache Nachfrage der Kunststoffverarbeiter und der Automobilindustrie ließ die Produktion hierzulande sinken.

Die schwache Industriekonjunktur in Deutschland und Europa bremste auch das Geschäft mit Fein- und Spezialchemikalien. Die Produktion ging im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 % zurück.

Besser lief es für die Hersteller von Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kosmetika. Als konsumnahe Sparte profitierte sie vom robusten privaten Konsum im In- und Ausland. Die Produktion konnte ausgeweitet werden.

Erzeugerpreise mit leichtem Plus

Die Erzeugerpreise für chemische und pharmazeutische Erzeugnisse lagen 2019 rund 1 % höher als ein Jahr zuvor. Damit entwickelten sich die Preise der Branche erstmals seit langem wieder gegenläufig zum Rohölpreis.

Der Rohölpreis lag 2019 bei rund 64 USD pro Barrel und damit um 10 % niedriger als ein Jahr zuvor. Die rohölnahen Sparten folgten dieser Entwicklung auch – hier waren Preisrückgänge zu beobachten. Allerdings gelang es in den anderen Sparten der Chemie die Preise zu erhöhen (Grafik 3).

Umsatzeinbrüche im In- und Ausland

Der Preisanstieg konnte aber die niedrigeren Produktionsmengen nicht ausgleichen. Die Umsätze der Branche verringerten sich um 5 % und verfehlten mit 193 Mrd. EUR auch die im Jahr 2018 erstmals erreichte 200-Mrd.-EUR-Marke wieder deutlich.

Der Inlandsumsatz ging im Laufe des Jahres wegen der rückläufigen Nachfrage seitens der industriellen Kunden zurück. Mit rund 73 Mrd. EUR lag er um 4,5 % unter Vorjahr.

„Aus Asien kamen 2019
anders als in den Vorjahren
kaum Impulse für das deutsche Chemiegeschäft.“

Mit ausländischen Kunden erwirtschaftete die Branche rund 120 Mrd. EUR. Das waren 5 % weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang fiel damit sogar kräftiger aus als im Inlandsgeschäft. Dies ist aber dem Pharmageschäft geschuldet. Vor allem die Pharmaexporte nach Europa und die USA verzeichneten kräftige Rückgänge. Aber auch im übrigen Chemiegeschäft sank der Auslandsumsatz. Hier machte sich die schwache Industriekonjunktur in Europa und die einsetzende Abkühlung in der US-Industrie bemerkbar. Aus Asien kamen 2019 anders als in den Vorjahren kaum Impulse für das deutsche Chemiegeschäft.

Beschäftigungswachstum trotzt wirtschaftlicher Abkühlung

Trotz der im Jahresverlauf immer schwieriger werdenden Geschäftslage gelang es den Chemie- und Pharmaunternehmen 2019 ihr hohes Beschäftigungsniveau noch etwas zu erhöhen. Aktuell arbeiten rund 464.800 Menschen in der Chemie- und Pharmaindustrie. Das sind 0,5 % mehr als im Vorjahr. Allerdings wurde im Jahresverlauf auch klar: Der Beschäftigungsaufbau der vorangegangenen Jahre ist erst einmal zu Ende.

Ausblick: kaum Licht am Ende des Tunnels

„Die schwache wirtschaftliche Dynamik
wird sich noch weit in
das kommende Jahr ziehen.“

Zurzeit erwarten die Unternehmen auch für die kommenden Monate keine Verbesserung ihrer Geschäfte. Die schwache wirtschaftliche Dynamik wird sich noch weit in das kommende Jahr ziehen. Für die Industrie zeichnet sich bestenfalls eine Stagnation ab. Die Automobilindustrie steht vor strukturellen Umbrüchen – ein erneutes dynamisches Wachstum dürfte nicht erfolgen. Auch die Kunststoffindustrie steht vor großen Veränderungen, so dass ein starkes Mengenwachstum unwahrscheinlich ist. Die Bauindustrie wird zwar weiterhin zulegen können. Zusätzliche Impulse sind aufgrund der Kapazitätsengpässe aber nicht zu erwarten Die Nachfrage unserer heimischen Kunden nach chemischen Erzeugnissen bleibt damit verhalten.

Auch von den Auslandsmärkten dürften keine starken Impulse kommen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist nicht gelöst und bis zur US-Wahl im November 2020 bestenfalls auf Eis gelegt. Aus China werden keine Wachstumsimpulse kommen. Die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft ist von Seiten der Regierung gewollt. Damit sind großangelegte Konjunkturprogramme mit Ausstrahlung auf die weltweite Entwicklung nicht zu erwarten. Auch aus den USA dürfte es keine positiven Effekte geben. Die US-Wirtschaft wächst zwar weiterhin robust, befindet sich aber deutlich in der Phase der Abkühlung.

Vor diesem Hintergrund geht der VCI für 2020 nur von einem moderaten Zuwachs in der deutschen Chemie- und Pharmaproduktion von 0,5 % aus (Grafik 4). Ohne das Pharmageschäft wird die Produktion aber auch im nächsten Jahr rückläufig sein (-0,5 %). Bei insgesamt konstanten Erzeugerpreisen dürften die Umsätze um 0,5 % auf rund 194 Mrd. EUR steigen. Im Inland erwarten wir auch für nächstes Jahr noch einen Rückgang. Mit ausländischen Kunden sollte der Umsatz um 1,5 % anziehen.

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