TTIP polarisiert

Ein Editorial von Chefredakteur Dr. Michael Reubold

  • Dr. Michael Reubold, Chefredakteur CHEManagerDr. Michael Reubold, Chefredakteur CHEManager

Mitte Oktober haben Medienberichten zufolge mehr als Hunderttausend Menschen in über 25 Ländern an einem europaweiten Protesttag gegen das Freihandelsabkommen TTIP teilgenommen. Die Gegner der Freihandelsverhandlungen zwischen Europa und den USA befürchten eine Aufweichung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards für importierte Produkte wie Lebensmittel (Stichwort: Chlorhühnchen), aber auch Chemikalien.

Daraus zu schlussfolgern, dass die Menschen in Europa die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft nicht wollen, wie es manche der Kritiker verkünden, ist jedoch falsch. Vielmehr zeigen die Proteste eine große Verunsicherung der Bevölkerung bei solch komplexen Themen. Wie undurchschaubar das Thema ist, zeigt eine Umfrage unter Führungskräften. Selbst diese in der Regel und von Berufs wegen gut informierten Personen kritisieren die mangelnde Transparenz der Verhandlungen (vgl. VAA-Kolumne). Nur knapp über die Hälfte aller Befragten erwartet, dass ein Abbau von Handelshemmnissen für die Chemiebranche positive Auswirkungen hat. Information und Aufklärung ist also von Nöten. Der Verband der Chemischen Industrie ruft die Kritiker dazu auf, sich konstruktiv an der Gestaltung der Globalisierung zu beteiligen, und betont, TTIP werde auf keinen Fall zu einer Aufweichung europäischer Standards in der Chemikaliensicherheit führen. Auch die American Chamber of Commerce in Deutschland fordert eine ausgewogene Debatte und sieht in TTIP einen wichtigen Impuls für die Wirtschaft und den deutschen und europäischen Arbeitsmarkt.
Diese aus einem vereinfachten Warenaustausch resultierenden Impulse sind notwendig für Exportnationen wie Deutschland, die wiederum wichtige Rohstoffe und Vorprodukte importieren müssen. Viele Bürger befürchten jedoch, dass der Abbau von Handelsbarrieren gleichzusetzen ist mit niedrigeren Standards für importierte Waren.

Es liegt nun an der Politik, die komplexen Zusammenhänge, auf denen unsere Wirtschaft und unser Wohlstand basiert, zu erklären und transparente Verhandlungen über TTIP zu führen.

 

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