22.11.2017
ThemenLogistik

Logistisch nachhaltig auch im Umgang mit Kunststoffpellets

Hafen Antwerpen führt als erster europäischer Hafen „Zero Pellet Loss“ ein

  • © Antwerp Port Authority © Antwerp Port Authority
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  • Die steige Entwicklung des Pipeline-Netzwerks wird von der Port Authority gefördert. © Antwerp Port Authority
  • Herstellende Industrie, Logistikunternehmen und die Transportbranche arbeiten gemeinsam daran, dass entlang der gesamten Supply Chain Kunststoffpellets nicht mehr in die Umwelt gelangen. © Antwerp Port Authority/milo profi fotografie

Gemeinsam stark: Gleich ob Chemieindustrie, Logistikdienstleister oder die Antwerp Port Authority selbst beim Thema Nachhaltigkeit ziehen alle Unternehmen der Antwerpener Hafengemeinschaft an einem Strang. Dies beweist nicht nur der im Oktober veröffentlichte vierte Nachhaltigkeitsbericht. In einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Industrie, Logistik und Transportwirtschaft beteiligt sich der belgische Hafen jetzt auch an der internationalen Initiative Operation Clean Sweep und verpflichtet sich damit auf die Umsetzung des „Zero Pellet Loss“-Programms – als erster Hafen in Europa überhaupt.

Antwerpen ist das größte integrierte petrochemische Cluster in Europa und zugleich Europas wichtigster Polymer-Hub. Der Hafen dient hier als Drehscheibe für Produktion, Handling und Vertrieb von Kunststoffgranulaten. Jedes Jahr nehmen Millionen dieser kleinen Pellets ihren Weg über Antwerpen zu anderen europäischen Standorten. Um den Eintrag des Plastik-Rohstoffs in Umwelt und Gewässer auf ein Minimum zu reduzieren, haben sich die Unternehmen im Hafen dazu verpflichtet, das „Zero Pellet Loss“-Programm umzusetzen. Eine entsprechende Charta unterzeichnete Hafenpräsident Marc van Peel am 11. Oktober 2017.

Dieses Programm ist Teil der Operation Clean Sweep – einer von PlasticsEurope unterstützten internationalen Vereinbarung, die verhindern soll, dass Streumaterial aus Kunststoff in die Meeresumwelt gelangt. „Ob Produktion, Um- und Abfüllung oder Transport – für die Antwerpener Unternehmen, die mit Polymeren arbeiten, hat es höchste Priorität zu erreichen, dass die Umwelt entlang der gesamten Supply Chain von Kunststoff freigehalten wird“, betont Marc van Peel.

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg

Bereits in den vergangenen Jahren haben Unternehmen im Hafen verschiedene Maßnahmen gegen den Granulatverlust ergriffen und auch großangelegte Reinigungsaktionen unternommen. Was bislang fehlte, war ein ganzheitlicher Ansatz, in dem alle Akteure ihre Aktivitäten bündeln können.

Durch die Operation Clean Sweep werden die bisherigen Initiativen zum Umweltschutz nun auf eine neue Ebene gehoben.

Erstmals arbeiten herstellende Industrie, Logistikunternehmen und die Transportbranche gemeinsam daran, dass entlang der gesamten Supply Chain die kleinen Kunststoffpellets nicht mehr in die Umwelt gelangen. Für Marc van Peel ist der Schlüssel zum Erfolg, dass alle Akteure der Polymer-Logistikkette bereit sind, an diesem Programm teilzunehmen. „Diese Zusammenarbeit ist die beste Garantie für gute Ergebnisse.“

„Zero Pellet Loss“ in Antwerpen

Zur Bündelung der Initiativen dient in Antwerpen die Plattform „Zero Pellet Loss“. Unter diesem Dach werden beispielsweise wöchentliche Kontrollen organisiert, um Orte zu identifizieren, an denen Kunststoffe in die Umwelt gelangt sind. Danach wird die Verschmutzung bis zu ihrer Ursache zurückverfolgt und anschließend entsprechende Vorkehrungen zur Vermeidung künftiger Verunreinigungen getroffen. Überwacht wird dies durch einen Störfallmanager, der auch alle Maßnahmen steuert, um die Verschmutzung rasch zu beseitigen. Die Kosten werden unter den Teilnehmern des Programms aufgeteilt.

Im Rahmen von Operation Clean Sweep wird die „Zero Pellet Loss”-Initiative von der Antwerp Port Authority, Essenscia (Verband der Chemie-, Kunststoff- und Life Sciences-Industrie in Belgien), der Voka Chamber of Commerce and Industry Antwerp-Waasland – Alfaport sowie dem Verband PlasticsEurope organisiert.

Die Reduzierung von Granulatverlust durch „Zero Pellet Loss“ ist ein wichtiges Umweltziel für die Kunststoffbranche in Antwerpen. Doch geht es letztlich um eine nachhaltigere Produktion und Verarbeitung von Polymeren. Dazu wurde jetzt eine Beratungsplattform eingerichtet, auf der Teilnehmer ihre Best-Practice-Beispiele austauschen.

Nachhaltiger Hafen: Den UN-Zielen verpflichtet

Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche und Aktivitäten des Hafens Antwerpen. Dies wird auch im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht deutlich, der am 11. Oktober 2017 in bereits vierter Auflage veröffentlicht wurde. Der „Duurzaamheidsverslag“, wie er auf Flämisch heißt, gibt einen Überblick über die entsprechenden, vielfältigen Initiativen der Antwerp Port Authority und der Unternehmen im Hafen. Diese Initiativen sind den 17 Zielen der UNO für eine nachhaltige Entwicklung verpflichtet und orientieren sich an den Bedürfnissen von Mensch, Natur und Wirtschaft.  

Der Nachhaltigkeitsbericht wurde erstmals 2011 erstellt und wird seitdem alle zwei Jahre veröffentlicht. Marc van Peel sagt dazu: „Nachhaltiges Wirtschaften ist tief in den Genen unserer Hafenunternehmen verwurzelt. Sie arbeiten in allen Bereichen hart daran, Mensch, Umwelt, Wohlstand, Frieden und Gemeinschaft in Einklang zu bringen.“

Umweltfreundlicher auf allen Transportwegen

Im Logistikbereich geht es allgemein darum, nachhaltigere und zugleich effiziente Lösungen zu entwickeln. So engagiert sich die Antwerp Port Authority seit Jahren für die Verkehrsverlagerung von der Straße auf Binnenwasserstraße und Schiene. Dazu werden unter anderem die Schienen-Infrastruktur im Hafen ausgebaut sowie neue und verbesserte Hinterlandverbindungen gefördert. Zudem ist die Antwerp Port Authority beratend in Gremien und Ausschüssen tätig, um wichtige europäische Schienengüterwege wie den Rhein-Alpen-Korridor weiterzuentwickeln.

Im Binnenschiffsbereich hat die Antwerp Port Authority einen Containerbarge Efficiency Indicator (CEI) entwickelt. Dieser zeigt die durchschnittlich benötigte Zeit pro Containerbewegung und entsprechende Optimierungspotenziale an.

Auch wenn der Lkw das wichtigste Verkehrsmittel im Antwerpener Hafen bleibt, gibt es hier verschiedene Ansätze für eine nachhaltigere Gestaltung der Transporte. So hat unter anderem das Deurganck-Dock am Hafen montags bis freitags 24 Stunden täglich geöffnet. Mit mehr Lkw-Nachtfahrten werden Lkw-Staus reduziert verringert.

Alternative: Pipelines

Ein vierter Verkehrsträger ist das Pipeline-Netzwerk, dessen Entwicklung von der Port Authority gefördert wird. Denn allein im Hafen stehen rund 1.000 Kilometer Pipelines zur Verfügung, die insbesondere von Chemieunternehmen genutzt werden. Hinzu kommen Verbindungen nach Rotterdam sowie in das Hinterland, um Flüssigkeiten und Gase wie Kerosin, Erdgas, Stickstoff oder Ammoniak zu transportieren.

Dieser Transportweg ist schnell und umweltfreundlich. Die Rechnung hier ist einfach: Wollte man die gleiche Menge an Rohöl, die täglich allein zwischen Antwerpen und Rotterdam durch die Pipelines gepumpt wird, auf der Straße transportieren, würden 1.056 Tankwagen benötigt. Das ergäbe eine 30 km lange Fahrzeugkolonne. Und dabei liegt der Energieverbrauch von Pipelines bei nur 20 bis 25% im Vergleich zum Straßenverkehr.

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Antwerp Port Authority
Entrepotkaai 1
2000 Antwerpen
Belgium
Telefon: +32/3/2052011
Telefax: +32/3/2052269

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