10.04.2018
ThemenLogistik

Zukunft Chemie 4.0: Alles inbegriffen

Von der digitalen Produktion zum vollintegrierten Wertschöpfungsnetzwerk

  • (c) iStockphoto/Getty Images(c) iStockphoto/Getty Images
  • (c) iStockphoto/Getty Images
  • Ryan Wehner, Quintiq; © Quintiq/ Gabby van Balsfoort-Louwhoff

Der digitale Umbruch erfasst die Chemiebranche. Doch ist Chemie 4.0 noch Zukunftsmusik, da gegenwärtig meist nur punktuelle Konzepte für Produktion und Logistik chemischer Erzeugnisse umgesetzt werden. Die enormen Potenziale von Chemie 4.0 erschließen sich jedoch erst in vollintegrierten Wertschöpfungsnetzwerken. Grundlage hierfür bilden flexible IT-Lösungen, die sich sowohl den Bedürfnissen der unterschiedlichen Player anpassen müssen als auch den branchenspezifischen Gesamtprozess abbilden können.

Ob großvolumige Basischemie oder auf kleine Losgrößen ausgerichtete Fein- und Spezialchemie: Die wesentlichen Chancen, die sich aus der Digitalisierung ergeben, lassen sich nicht mehr allein im Produktionsbetrieb realisieren. Der reine Produktionsprozess verliert in der Wertschöpfung mehr und mehr an Bedeutung. Diese findet heute zunehmend entlang der gesamten Supply Chain statt. Triebfeder sind die veränderten Kundenanforderungen nach ganzheitlichen Lösungen, nach mehr Flexibilität, nach kürzeren Reaktionszeiten und nach diversifiziertem Produktportfolio. Diese Zentrierung auf den Kunden krempelt die Strukturen der Branche um – der Produzent wird immer mehr zu einem Dienstleister. Dies macht digitale Geschäftsmodelle und eine enge Verzahnung aller Akteure entlang der Supply Chain notwendig.

Kernpunkt ist die Vernetzung in unterschiedlichen Dimensionen. Zum einen geht es um die vertikale Vernetzung innerhalb einer Firma, um so die Grenzen zwischen Unternehmensbereichen und Produktsegmenten durchlässig zu machen und damit wesentlich flexibler auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Zum anderen geht es um die horizontale Vernetzung, also eine unternehmensinterne wie auch unternehmensübergreifende Verbindung entlang der gesamten Wertschöpfungskette und Supply Chain bis hin zum Kunden. Auf diese Weise können alle Komponenten und Akteure in Echtzeit interagieren. Denn erst wenn alle Prozesse miteinander in Bezug gesetzt und zu einem Gesamtablauf zusammengefasst werden, entstehen neue gewinnbringende Geschäftsmodelle.

Chemie 4.0 bedeutet aber mehr als reine Vernetzung. Vertikale und horizontale Wertschöpfungsketten werden sich langfristig vielmehr zu vollintegrierten Wertschöpfungsnetzwerken weiterentwickeln.

Diese müssen neben gebündelter Echtzeit-Optimierung auch diversifizierte Prognosen berücksichtigen können. Diese Entwicklung wird oft noch durch unflexible und veraltete IT-Strukturen in einzelnen Unternehmen ausgebremst. Aber nur mit einer passgenauen Planungs- und Optimierungslösung, die auf die gesamte Supply Chain zielt, können Unternehmen in einem volatilen Markt wie der chemischen Industrie Wachstumspotenziale erschließen.

Guter Standard reicht nicht mehr

Moderne IT-Plattformen sollten in der Lage sein, die notwendige Bandbreite an Dienstleistungen und Prozessen mit all ihren eigenen Anforderungen und Restriktionen abzubilden. Bisherige Standardsysteme greifen oft zu kurz – sie können nicht auf alle Branchen, Bereiche und Unternehmen angewendet werden. Individuelle Plattformen wiederum sind meist kostspielig und in der Implementierung oft zeitaufwendig. Die Lösung sind modulare Plattformen – etwa wie die des Planungs- und Optimierungsexperten Quintiq. Sie unterstützen eine Chemie 4.0 hoch effizient. Sie sind Grundlage dafür, die chemische Wertschöpfung End-to-End zu erfassen. So entsteht ein Gesamtbild, das von der Beschaffung und Produktion über die Bedarfs- und Personalplanung und das Auftragsmanagement bis hin zu Lagerung und Transport reicht.

Vor diesem Hintergrund besteht die IT-Plattform zu 80% aus der Quintiq Standard-Applikation mit hocheffizienten Optimierungs-Algorithmen und umfassend konfigurierbaren Visualisierungsoptionen, die beständig weiterentwickelt und aktualisiert wird. Weitere 10% der Software sind auf die Branche des Unternehmens zugeschnitten, also z.B. auf die chemische Industrie oder die Logistik. Entscheidend sind die verbleibenden 10%: diese werden gemeinsam mit dem jeweiligen Unternehmen an dessen konkrete Vorgaben, Prozesse und Regeln angepasst. So verbindet die modulare Quintiq-Plattform Standardprozesse mit einem hohen Grad an Individualisierungsmöglichkeiten. Der enorme Vorteil ist, dass sich eine solch maßgeschneiderte Lösung schon bewährt hat und insbesondere schnell einsatzfähig ist.

Ein weiterer Vorteil besteht im modularen Aufbau der IT-Plattform. Die Module decken alle Bereiche der Wertschöpfungskette ab und werden vom Unternehmen bedarfsgerecht zusammengestellt. Kombiniert oder auch einzeln können sie über Schnittstellen mit anderen IT-Anwendungen in- und außerhalb der Firma entlang der Supply Chain verbunden werden und verhindern somit gefürchtete Insellösungen.

Modulare und flexible Plattform

Für alle Stufen der Wertschöpfungskette bietet die betrachtete Plattform Lösungen. Diese reichen von bedarfsgerechter Ressourcenplanung über Optimierung von Logistikprozessen – Inbound und Outbound, effiziente Produktionsplanung inklusive Produktdiversifizierung bis zu Advanced Analytics und Predictive Analytics, also Vorhersagen von Kundenverhalten, Preisentwicklungen und Markttrends.

Eine integrierte Betrachtung der Supply Chain, die vor- und nachgelagerten Stufen der Produktion inbegriffen, ermöglicht also eine umfassende und ganzheitliche Optimierung aller Prozesse inkl. Prognosen, mögliche Szenarien und konkrete Handlungsempfehlungen. Ein Beispiel ist etwa die Vorhersage von zu erwartenden Störungen entlang der Supply Chain und wie diese entweder bereits im Vorfeld umgangen werden können oder wie angemessen darauf zu reagieren ist, sollten die Störungen nicht im Einflussbereich der Unternehmen liegen. Nicht zuletzt ist die intelligente Quintiq-Lösung anhand von Echtzeit-Daten in der Lage, angemessene Preismodelle je nach aktueller Marktlage vorzuschlagen, mit denen die Preisgestaltung zu einem bedeutenden Gewinnhebel wird.

Schließlich kann in die Quintiq-Plattform eine zukunftsweisende Selbstlernfunktion implementiert werden. Die Künstliche Intelligenz analysiert dabei alle Faktoren der Supply Chain, erkennt Bezüge und leitet daraus die entscheidenden Erkenntnisse für die Optimierung der Supply Chain ab. Diese fließen automatisch zurück in das System und beeinflussen die neuen Planungsprozesse. Unternehmen, gleich an welchem Punkt der Lieferkette, erhalten somit entscheidende Wettbewerbsvorteile v.a. in den Bereichen Zeit-, Kosten- und Ressourceneffizienz, aber auch Liefertreue und nicht zuletzt Kundenzufriedenheit.

Vernetzung ist das Gebot der Stunde

Durch die Digitalisierung werden Struktur und Dynamik von Markt und Wettbewerb nachhaltig verändert. Produktivitätssteigerungen, Synergieeffekte und die Nutzung von Einsparpotenzialen sind jedoch nur einige der Effekte, die mit der integrierten Planung erreicht werden können. Für Unternehmen, die diese Innovationsfelder frühzeitig besetzen, eröffnen sich vielmehr enorme Chancen, ganzheitliche Lösungen und Leistungspakete für die Kunden anbieten zu können und sich damit auch neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Chemie 4.0 ist zugleich mehr als nur die Zusammenführung einzelner Datenbanken. Erst durch das Teilen und eine sinnvolle Auswertung aller Daten entlang der gesamten Supply Chain sind wertschöpfende Analysen und Prognosen möglich. Dazu ist es notwendig, dass sich Produzenten mit ihren vor- und nachgelagerten Partnern digital vernetzen und ein integriertes Wertschöpfungsnetzwerk bilden. Künftige Wettbewerbserfolge basieren damit auf modernen IT-Plattformen mit den richtigen Schnittstellen und passenden Analysetools.

Autor(en)

Kontaktieren

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.