22.05.2018
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Big Data – Daten als Rohstoff für den Mittelstand

Chemie- und Pharmamittelstand: Unternehmen halten Big Data für zentral wichtig, sehen aber keinen akuten Handlungsbedarf

  • Big Data – Daten als Rohstoff für den Mittelstand (c) GarryKillian/ShutterstockBig Data – Daten als Rohstoff für den Mittelstand (c) GarryKillian/Shutterstock
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Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Mit ihrer Hilfe entstehen neue, disruptive Geschäftsmodelle, die Branchen revolutionieren – Unternehmen wie Amazon, Google, Apple, Microsoft und Facebook machen es vor. In Zukunft werden Nutzung, zielgerichtete Auswertung und Bewertung von Daten darüber entscheiden, ob ein Unternehmen am Markt bleibt oder von anderen Playern verdrängt wird.

Für den deutschen Mittelstand sind damit Chancen wie Herausforderungen verbunden. Doch welche Bedeutung messen die Unternehmen selbst Big Data bei? Wie weit sind sie in der Datenanalyse? Wie verändern sich Unternehmenskulturen unter den Vorzeichen von Big Data? Und natürlich: Was tun Unternehmen, um ihre Daten zu sichern? Das sind die zentralen Fragen der aktuellen Studie „Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Big Data, Smart Data – Lost Data?“ der Commerzbank-Initiative Unternehmerperspektiven. Für die Studie wurden rund 2.000 Führungskräfte des deutschen Mittelstands im Auftrag der Commerzbank durch Kantar TNS befragt, davon stammten 102 aus dem Chemie- und Pharmaindustrie.

Big Data wird Chemiebranche verändern – Umbruch frühestens in 5 Jahren

Nach den Ergebnissen der Studie haben die mittelständischen Unternehmen aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie die weitreichenden Auswirkungen der zunehmenden Verfügbarkeit digitaler Daten erkannt. Für 39 % sind Daten bereits heute von zentraler Bedeutung, weitere 18 % rechnen in Kürze damit (Grafik 1). Das Thema ist also schon jetzt für weit mehr als die Hälfte der Unternehmen relevant. Damit liegt die Branche nur leicht unter dem Durchschnitt aller befragten Mittelständler. 19 % der Umfrageteilnehmer rechnen erst in Zukunft damit, dass Big Data bedeutsam wird, 20 % können die Entwicklung noch nicht abschätzen. Lediglich 2 % halten die Zunahme digitaler Daten für nicht relevant.

Die intensivere Datennutzung wird alle Branchen verändern. 18 % der Unternehmen aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie spüren diesen Umbruch schon heute, 54 % erwarten in den nächsten fünf Jahren tiefgreifende Veränderungen.

Das Problembewusstsein ist damit in Branche zwar höher, allerdings sehen im Vergleich zum gesamten Mittelstand weniger Unternehmen zurzeit akuten Handlungsbedarf (Grafik 2). Insgesamt ist Big Data dennoch, wie bereits ermittelt, für rund drei Viertel der Chemie- und Pharmaunternehmen ein aktuelles und operatives Thema. Keines der befragten Unternehmen ist der Meinung, dass die Branche gänzlich von Veränderungen infolge von Big Data verschont bleibt.

Chemiebranche setzt Fokus auf die Erfassung interner Daten

Bisher erfassen mittelständische Chemie- und Pharmaunternehmen noch nicht alle relevanten Daten. Oft konzentrieren sie sich auf Daten, die intern verfügbar sind, wie z. B. zu Finanzen (78 %), Ressourcenauslastung (66 %), Lagerbeständen (64 %) und Absatzschwerpunkten (54 %) (Grafik 3). Im Vergleich zu anderen Branchen ist die Chemie- und Pharmaindustrie beim Erfassen interner Daten jedoch besonders aktiv und liegt bei den o. g. Bereichen um 6-11 Prozentpunkte über dem Durchschnitt alle mittelständischer Unternehmen.

Externe Daten über die Kundenzufriedenheit, individuelle Kundenprofile und die Produktnutzung werden dagegen seltener erhoben. Nur 9 % sind auf der sog. Customer Journey und sammeln in allen drei genannten Bereichen Daten. Die Branche setzt ihre teilweise vorbildliche Datenerfassung also noch nicht ganz konsequent um.

Branche sieht Nutzen von Big Data liegt bei Automatisierung und Ressourcenplanung

Die Chemie- und Pharmaunternehmen profitieren nach Angaben der Umfrageteilnehmern bei der systematischen Datennutzung vor allem von der Automatisierung von Arbeitsprozessen (60 %), der besseren Ressourcenplanung (59 %) und einer größeren Entscheidungssicherheit (53%). Finanzielle Risiken können die Unternehmen dagegen weniger gut abschätzen – und das, obwohl entsprechende Daten vorliegen (Grafik 4). Grund hierfür sind vermutlich die Herausforderungen der Branche, z. B. rechtliche Rahmenbedingungen oder Genehmigungsverfahren.

Veränderungen im Geschäftsmodell, z. B. in Form von individualisierten Angeboten und Produkten (46 %) oder dynamischer Preisgestaltung (44 %), werden deutlich seltener in Angriff genommen, wenngleich die Branchenunternehmen etwas mutiger sind als der Bundesdurchschnitt. Dass der Unterschied nicht noch deutlicher ausfällt, kann auf einen geringeren Handlungsspielraum, bspw. aufgrund regulierter Produktanforderungen, zurückgeführt werden.

Fehlende Mitarbeiterqualifikation behindert digitalen Wandel

Die Geschäftsführung des Chemie- und Pharmamittelstands ist regelmäßig mit der Analyse von Daten befasst (71 %). Immerhin 36 % der Chemie- und Pharmaunternehmen setzen auf interne Spezialisten, die die Daten abteilungsübergreifend analysieren. Überdurchschnittlich viele Firmen (23 %) ziehen zudem externe Fachleute hinzu.

Nach Angaben der Studienteilnehmer scheitert eine umfassendere Analyse und Nutzung digitaler Daten häufig an der fehlenden Qualifikation der Mitarbeiter, dies geben immerhin 35 % der Unternehmen aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie an. Jedes vierte Unternehmen beklagt außerdem, dass die Führungskräfte nicht bereit für Veränderungen sind. Dennoch ist die Branche diesbezüglich etwas besser aufgestellt als der mittelständische Durchschnitt (Grafik 5). Fehlende externe Spezialisten sind lediglich für 16 % der Chemie- und Pharmaunternehmen problematisch.

Chemiebranche hat technische und personelle Risiken auf dem Schirm

Chemie- und Pharmaunternehmen nehmen Viren, Trojaner und Hacker als Bedrohung wahr. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt befürchten sie öfter, zur Zielscheibe von digitalen Betrugsversuchen, Datendiebstahl oder Spionage zu werden. 15 % der Chemie- und Pharmaunternehmen haben durch Trojaner oder Viren schon einmal Schäden erlitten, 78 % sehen sich davon bedroht. Als gefährlich gelten auch Hackerangriffe (84 %). Die Unternehmen fürchten zudem überdurchschnittlich oft, dass sie zur Zielscheibe von Betrugsversuchen (75 %), Diebstahl von Kundendaten (68 %) oder digitaler Spionage (68 %) werden könnten – ein Umstand, der mitunter durch die verschärfte Wettbewerbssituation auf dem Markt begünstigt wird. Gezielte digitale Sabotage halten dagegen zwei Drittel der Unternehmen für unrealistisch (Grafik 6).

Die Branche ist für die Bedrohung durch Viren, Hackerangriffe und digitalen Betrug besonders sensibilisiert. Technische Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls, Virenschutz, Back-ups und Passwortschutz zählen in der Chemie- und Pharmaindustrie zum Standard, wenngleich bei einigen Unternehmen noch Handlungsbedarf besteht. Die Branche investiert dabei überdurchschnittlich oft in Sicherheitssoftware (78 %). Auch physischer Wach- und Gebäudeschutz sind in der Branche weiter verbreitet als im Bundesdurchschnitt (70 %, +12 Prozentpunkte). Darüber hinaus verschlüsseln 73 % der Unternehmen ihre Daten. Bemerkenswert ist, dass Unternehmen, die bereits von Cybercrime betroffen waren, nicht häufiger Sicherheitsmaßnahmen ergreifen als der mittelständische Durchschnitt. (ag)


Auswertung der Ergebnisse für die Chemie- und Pharmabranche der Commerzbank-Studie „Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Big Data, Smart Data – Lost Data?“ zum Download

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