19.08.2016
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Chemie-Tarifvertrag eröffnet neue Chancen in der Ausbildungsvorbereitung

UCI fördert Start-Programme wenn Ausbildungsvoraussetzungen fehlen

  • Im Chemie-Tarifabschluss 2016 haben BAVC und IG BCE vereinbart, ihr gemeinsames Engagement in der Nachwuchssicherung weiter auszubauen.Im Chemie-Tarifabschluss 2016 haben BAVC und IG BCE vereinbart, ihr gemeinsames Engagement in der Nachwuchssicherung weiter auszubauen.

Bereits seit 16 Jahren engagieren sich die Chemie-Sozialpartner erfolgreich dafür, die Ausbildungschancen junger Menschen zu erhöhen. Die tarifvertraglich verankerten „Start-Programme“ richten sich an Jugendliche, denen die Voraussetzungen für die Aufnahme einer Ausbildung noch fehlen. Sie werden durch den Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI), einer gemeinsamen Einrichtung von BAVC und IG BCE, finanziell unterstützt.

Perspektiven für junge Menschen
In aller Munde sind der „Akademisierungstrend“ und die daraus resultierenden Probleme für den Ausbildungsmarkt. Schulabgänger streben verstärkt in Richtung der Hochschulen. Häufig aus dem Blick verloren wird, dass immer mehr junge Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn mit einem schlechten oder im schlimmsten Fall gar ohne Abschluss von der Schule abgehen. Diesen jungen Menschen ist häufig der Zugang zur Berufsausbildung versperrt und sie finden keinen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben. Dennoch steckt in ihnen Potenzial, das durch die richtige Förderung abgerufen werden kann. Klar ist, dass diese Förderung nicht im Rahmen der Berufsausbildung geleistet werden kann. Vielmehr bedarf es spezieller Programme, die einer Berufsausbildung vorgeschaltet sind.

Neues Programm „Pre-Start“
Im Chemie-Tarifabschluss 2016 haben BAVC und IG BCE deshalb vereinbart, ihr gemeinsames Engagement in der Nachwuchssicherung weiter auszubauen. Das neu geschaffene dreimonatige „Pre-Start“-Programm richtet sich an junge Menschen mit besonderem Entwicklungsbedarf, die auf die bewährten Start-Programme vorbereitet werden. In den letzten Jahren ist festzustellen, dass grundlegende Kompetenzen im sprachlichen oder sozialen Bereich bei vielen jungen Menschen zunächst weiter entwickelt werden müssen, bevor eine Vorbereitung auf die Berufsausbildung beginnen kann. Die Chemie-Sozialpartner wollen mit der neuen Vorbereitung auf die Start-Programme auch Flüchtlingen einen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Integriertes Konzept
Den Start-Programmen liegt ein bewährtes Konzept zugrunde. Es verbindet betriebliche Praxis mit theoretischer Wissensvermittlung und intensiver sozialpädagogischer Betreuung.

Hierdurch werden neben dem Abbau schulischer und sprachlicher Defizite auch die für den Berufseinstieg wichtigen sozialen Kompetenzen aufgebaut. Zum einen wird es den Teilnehmern durch die Eingliederung in die unterschiedlichen Betriebsabläufe ermöglicht, die Anforderungen und Abläufe der verschiedenen Berufsfelder kennenzulernen. Zum anderen bietet ihnen das Programm die Chance, eigene Stärken und Interessen zu erforschen. So können Ausbilder künftige Auszubildende finden und der Jugendliche erhält Einblick in die Berufswelt der chemischen Industrie.

Voraussetzungen
Grundsätzlich gilt für Start-Kandidaten, dass der junge Mensch das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben darf. Um Menschen in besonderen Lebenssituationen, zum Beispiel Langzeitarbeitslosen oder Flüchtlingen, die älter als 25 Jahre sind, den Zugang zu den Start-Programmen nicht zu versperren, haben die Chemie-Sozialpartner mit dem diesjährigen Tarifabschluss eine Öffnung im Einzelfall für die Teilnahme an den Start-Programmen vereinbart.

Die Ausbildungsvorbereitung dauert mindestens drei und längstens zwölf Monate. Der Einstieg ist jederzeit im laufenden Jahr möglich. Die Erfahrung zeigt, dass der Abschluss des Start-Programms in direktem zeitlichem Zusammenhang mit dem Ausbildungsbeginn optimal ist. Die Hinführung auf die Ausbildungsvorbereitung dauert maximal drei Monate und sollte idealerweise direkt im Anschluss in ein reguläres Start-Programm münden.

Förderung durch den UCI
Der Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“ sieht für Teilnehmer an den Start-Programmen eine monatliche Eingliederungsvergütung in Höhe von 450 EUR vor. Diese vom Unternehmen finanzierte Eingliederungsvergütung kann durch den UCI gefördert werden. Hierzu stellt das Unternehmen einen formlosen Antrag. Die Höhe der Unterstützungsleistung ist von dem jeweiligen Start-Programm abhängig. So beträgt sie für das Programm „Start in den Beruf“, das sich an Unternehmen mit mehr als 750 Mitarbeitern richtet, monatlich 225 EUR. Kleinere Unternehmen mit weniger als 750 Mitarbeitern erhalten bei Teilnahme am Programm „StartPlus“ 450 EUR monatlich. Daneben werden die Kosten für eine sozialpädagogische Betreuung kofinanziert. Das neue „Pre-Start“-Programm wird entsprechend gefördert.

Erfolgsbilanz
Bis zum heutigen Tag hat der UCI circa 4.000 Jugendliche gefördert. Mehr als 80% der Teilnehmer haben die tarifliche Maßnahme erfolgreich beendet und konnten eine reguläre Ausbildung beginnen. Sie haben damit eine berufliche Perspektive erhalten. Auch für die Unternehmen bieten die Start-Programme Vorteile: Während des Start-Programms besteht ausreichend Gelegenheit, den potenziellen Auszubildenden genau kennenzulernen und seine Fähigkeiten zu bewerten. Die tariflichen Programme sind damit ein zusätzliches Mittel zur Gewinnung von motivierten Auszubildenden.
 

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