Chemiekonjunktur: Internationales Jahr der Chemie

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Nach dem Krisenjahr 2009 folgte eine rasche konjunkturelle Erholung. Die Wachstumsraten für das Bruttoinlandsprodukt sowie für die Industrie- und Chemieproduktion erreichten 2010 rekordverdächtige Höhen. Dennoch konnte das Vorkrisenniveau nicht in allen Ländern wieder erreicht werden. Südeuropa und Irland leiden weiterhin unter der Schuldenkrise und die Vereinigten Staaten haben strukturelle Probleme. Die Emerging Countries haben demgegenüber schneller zu alter Stärke zurückgefunden. Die Industrie war der Impulsgeber des globalen Aufschwungs. Nachdem der Fahrzeugbau, die Stahlindustrie und die Chemiebranche schon frühzeitig ihre Produktionsanlagen wieder hochgefahren hatten, expandierten zuletzt auch die Investitionsgüterbranchen.

Die globale Wirtschaftsleistung war im vergangenen Jahr um 3,8 % gewachsen - die Industrieproduktion sogar um 10 %. Hiervon konnten die Chemieunternehmen frühzeitig profitieren, so dass die globale Chemieproduktion im Krisenjahr 2009 nur leicht gedrosselt wurde. Die Jahresbilanz 2010 weist ein kräftiges Wachstum in Höhe von 8,8 % aus. Die Branche startet mit Rückenwind ins internationale Jahr der Chemie. Dennoch werden sich die Wachstumsraten nun normalisieren (Grafik 1).


Chemie weltweit im Aufwind

Die Chemiebranche hat die Krise überwunden. Sie befindet sich mittlerweile seit sieben Quartalen auf Wachstumskurs. Ein Blick auf die Produktion zeigt dabei einen V-förmigen Konjunkturverlauf. Nach den kräftigen Rückschlägen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise wuchs die globale Chemieproduktion mit hoher Dynamik. Bereits zu Beginn des Jahres 2010 konnte daher das Vorkrisenniveau wieder übertroffen werden.

Und es ging weiter aufwärts. Lediglich im dritten Quartal 2010 legte die Branche eine Pause ein. Vorrübergehend sank die Chemieproduktion sogar leicht. Ein Jahresendspurt sorgte jedoch dafür, dass die Branche mit Schwung ins neue Jahr starten kann (Grafik 2). Unter dem Strich legte die Chemieproduktion im vergangenen Jahr um 8,8 % zu. Aber nicht alle Länder konnten mit dieser positiven Entwicklung Schritt halten. Insbesondere in vielen Industrieländern hinkte die Chemieproduktion der weltweiten Entwicklung hinterher.


Asien bleibt Schrittmacher

In den Schwellenländern Asiens hatte sich das wirtschaftliche Wachstum im Zuge der Finanzkrise kaum abgeschwächt.

Schnell setzten sich dort die Auftriebskräfte durch. Bereits 2009 wuchs die Chemieproduktion dynamisch. Mit dem Auslaufen der Konjunkturprogramme hat sich im Jahresverlauf 2010 das Tempo des Aufschwungs allerdings abgeschwächt. Dennoch konnte die Branche in Südkorea und Indien für das Gesamtjahr noch einmal ein Wachstum von 4,5 % verbuchen. Chinas Chemiebranche legte sogar um 14 % zu. Doch auch im Reich der Mitte ließ die Dynamik zuletzt etwas nach.

Japan konnte von der Dynamik der Nachbarländer nur kurzfristig profitieren. Nach Durchschreiten des Tiefpunktes im ersten Quartal 2009 wurde die japanische Chemieproduktion zwar wieder kräftig ausgedehnt. Doch schon zum Ende des Jahres stoppte der Aufwärtstrend. Im Jahresverlauf 2010 konnte die Produktion nicht mehr ausgeweitet werden. Die Volatilität war hoch. Einem positiven Quartal folgte prompt der Rückschlag (Grafik 3). Das Vorkrisenniveau bleibt unerreicht. Es fehlen noch mehr als 5 %.


Europa: Vorkrisenniveau erreicht

Die Finanzkrise hatte der europäischen Chemie schwer zu schaffen gemacht. Innerhalb weniger Monate war die Chemieproduktion um mehr als 10 % eingebrochen. Nur dem Pharmageschäft war es damals zu verdanken, dass es nicht noch schlimmer kam. Rasch setzten sich jedoch auch in Europa die Auftriebskräfte durch. Seit dem zweiten Quartal 2009 steigt die europäische Chemieproduktion. Das Vorkrisenniveau konnte im Jahresverlauf 2010 bereits wieder übertroffen werden. Die Krise ist überwunden. Allerdings ließ die Dynamik zuletzt deutlich nach (Grafik 4). Weil viele Kunden bereits wieder gut gefüllte Chemikalienläger haben, wuchsen die Bestellungen nicht mehr so dynamisch wie zuvor. Zudem machte sich die Schuldenkrise einiger EU Staaten allmählich bemerkbar. Regional gibt es große Unterschiede: Während in den osteuropäischen Ländern und in Deutschland die Chemieproduktion kräftig zulegte, setzte in Südeuropa und in Großbritannien die Erholung nur zögerlich ein.


USA: Erholung geht die Puste aus

In den Vereinigten Staaten tritt die Chemieindustrie auf der Stelle. Zwar setzte auch jenseits des Atlantiks nach den krisenbedingten Produktionsrückgängen rasch die Erholung ein. Der Aufwärtstrend war nach vier Quartalen jedoch bereits wieder beendet. Im zweiten und dritten Quartal sank die US-amerikanische Chemieproduktion sogar. Erst zum Jahresende haben sich die Auftriebskräfte wieder durchgesetzt (Grafik 5). Die weltweit größte Chemienation ist derzeit noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. Hauptgrund hierfür dürfte die anhaltende Konjunkturschwäche in wichtigen Kundenbranchen sein. Die Automobilindustrie und die Bauwirtschaft der USA stecken weiterhin in Schwierigkeiten.

Deutlich besser sieht es in Lateinamerika aus. Insbesondere in Brasilien haben sich die Auftriebskräfte frühzeitig durchgesetzt. Am Zuckerhut liegt die Chemieproduktion bereits wieder höher als vor der Krise. Wegen der Präsidentenwahlen war dort die Produktion vorübergehend leicht gesunken. Seit einigen Monaten geht es jedoch wieder dynamisch aufwärts.


Ausblick: Wachstumsraten werden sich normalisieren

Nach der rasanten Erholung im weltweiten Chemiegeschäft ließ das Wachstumstempo in den letzten Monaten bereits nach. Das bereitet der Branche aber keine Sorge. Im Gegenteil: Die Unternehmen sind zuversichtlich, dass es weiter aufwärts geht. Größere Rückschläge werden trotz anhaltender Schuldenkrise nicht befürchtet. Da die Kapazitäten inzwischen aber wieder gut ausgelastet sind, lässt sich die Chemieproduktion kurzfristig nicht mehr so stark ausdehnen wie noch im Vorjahr. Auch die Nachfrage nach Chemikalien dürfte sich nicht mehr so dynamisch entwickeln, da sich das Wachstum zunehmend in weniger chemieintensive Branchen verschiebt. Im Gesamtjahr 2011 dürfte die globale Chemie voraussichtlich um 3 % zulegen. Die Wachstumsraten werden sich in allen Chemieregionen wieder normalisieren (Tabelle 1). 

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