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Österreichs Chemieindustrie

02.04.2013 -

Österreichs Chemieindustrie – mit solidem Wachstum. Dank des robusten weltwirtschaftlichen Aufschwungs nahm die österreichische Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich Fahrt auf.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 3,2 %. Für das laufende Jahr prognostizieren die Wirtschaftsforscher ein ähnlich starkes Wachstum. Von der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung profitierte besonders das verarbeitende Gewerbe.

Die österreichische Industrieproduktion stieg im vergangenen Jahr um mehr als 8 %. Auch im Jahr 2007 werden viele Branchen ihre Produktion kräftig ausdehnen.

Die gute Industriekonjunktur wird die inländische Nachfrage nach Chemikalien auch in den kommenden Monaten spürbar beleben. Ebenso steigt auf den beiden wichtigsten Auslandsmärkten, Deutschland und Osteuropa, die Nachfrage nach österreichischen Chemieprodukten derzeit dynamisch.

Experten trauen der Chemieindustrie Österreichs im laufenden Jahr ein Wachstum von bis zu 4,5 % zu (Grafik 1). In Europa nimmt Österreichs Chemieindustrie einen Mittelplatz ein.

Gemessen am Umsatz liegt sie lediglich auf Platz 11 der Chemieproduzentenländer der EU - hinter Schweden und Polen, aber vor Dänemark, Finnland, Ungarn und Tschechien. Der Anteil an der EU-Chemieproduktion beträgt rund 1,5 %.

Mit seinen überwiegend mittelständischen Chemieunternehmen hat sich Österreich vor allem auf die Produktion von Kunststoffen, Chemiefasern und Arzneimitteln spezialisiert (Grafik 2). Aber auch bei Kosmetika und bestimmten Spezialchemikalien spielt Österreich im Konzert der Großen mit.

Die Kunden sitzen neben dem Inland vor allem in Osteuropa und Deutschland. Auf Deutschland entfällt rund ein Viertel der österreichischen Chemieexporte.

 


Chemieproduktion wächst wieder

Die chemische Industrie in Österreich gehörte schon früh zu den Profiteuren des derzeitigen weltwirtschaftlichen Aufschwungs. Bereits zu Beginn des Jahres 2004 stieg die Chemieproduktion kräftig.

Im Jahr 2005 erreichte der Aufschwung mit zweistelligen Zuwachsraten seine höchste Dynamik. Anschließend setzte sich der Aufschwung zwar fort, die Zuwachsraten wurden aber geringer. Im vierten Quartal 2006 brach die österreichische Chemieproduktion sogar kurzfristig ein.

Seit Jahresbeginn 2007 ist die Branche wieder auf Erfolgskurs (Grafik 3). Aufgrund des starken Rückgangs im vierten Quartal 2006 lag die österreichische Chemieproduktion jedoch im ersten Halbjahr des laufenden Jahres trotz des soliden Aufwärtstrends noch leicht niedriger als ein Jahr zuvor.

 


Hoher Pharmaanteil, wenig Petrochemie

Aufgrund des großen Pharmaanteils und der vergleichsweise geringen Bedeutung der Petrochemie dauerte es etwas bis sich die Rohölpreishausse der vergangenen Jahre in den Erzeugerpreisen für chemische Produkte niederschlug.

Erst zu Beginn des Jahres 2006 begannen die Chemikalienpreise deutlich zu steigen. Zu diesem Zeitpunkt zwang die Verteuerung wichtiger Rohstoffe vor allem die Polymerhersteller ihre Preise anzuheben.

Aufgrund der zur Jahreswende 2006/2007 deutlich rückläufigen Rohölpreise verlor der Erzeugerpreisauftrieb der österreichischen Chemieindustrie im ersten Quartal 2007 etwas an Dynamik. Im zweiten Quartal hingegen verschärfte sich angesichts einer weiteren Verteuerung bei wichtigen Rohstoffen der Preisauftrieb erneut (Grafik 4).

Die Geschäfte der österreichischen Chemieindustrie liefen auch im ersten Halbjahr 2007 ausgesprochen erfreulich. Der Branchenumsatz setzte seinen Aufwärtstrend fort und lag bis einschließlich Juni knapp 8 % höher als ein Jahr zuvor.

Allerdings verloren die Auftriebskräfte zuletzt etwas an Schwung (Grafik 5). Im laufenden Jahr werden daher die zweistelligen Zuwachsraten des Vorjahres nicht mehr ganz erreicht werden können. Besonders erfreulich verlief das Binnengeschäft.

Der Inlandsumsatz stieg in der ersten Jahreshälfte um 9,3 %. Dank der anhaltend guten Industriekonjunktur auf den wichtigen Auslandsmärkten in Osteuropa und Deutschland stieg auch der Auslandsumsatz kräftig an. Im Exportgeschäft konnte die österreichische Chemieindustrie im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 7 % verbuchen.

 


Aufnahmefähige Märkte in Osteuropa

Das erste Halbjahr ist für die österreichischen Chemieproduzenten überwiegend positiv verlaufen. Zwar verfehlte die Chemieproduktion nach dem starken Rückgang zur Jahreswende ihr Vorjahresniveau noch leicht.

Seit Jahresbeginn haben jedoch die Auftriebskräfte erneut die Oberhand gewonnen. Dank steigender Produzentenpreise lag der Branchenumsatz deutlich höher als ein Jahr zuvor.

Die Branche ist daher zuversichtlich, dass die gute Chemiekonjunktur auch in der zweiten Jahreshälfte anhält. Die Voraussetzungen hierfür sind günstig:

In wichtigen Abnehmerbranchen ist die Stimmung weiterhin positiv, und die Ausgangsposition, die die Unternehmen der österreichischen chemischen Industrie vor allem mit den aufnahmefähigen Märkten in Osteuropa haben, ist viel versprechend.

Insgesamt zeigt sich die Branche daher optimistisch und erwartet nach Einschätzung des Fachverbandes der chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ein gutes Chemiejahr 2007, wenn auch kein Rekordjahr.

 


25 % des Umsatzes erzielen deutsche Tochterunternehmen

Die deutsche Chemieindustrie profitiert von der günstigen Entwicklung in Österreich. Rund 25 % der österreichischen Chemieproduktion und der Beschäftigten entfallen auf Tochterunternehmen deutscher Chemiekonzerne. Zudem ist Österreich ein wichtiger Handelspartner für die deutsche Chemieindustrie.

Zwar entfallen auf den Alpenstaat mit jährlich rund 4 Mrd. € lediglich 3,4 % der gesamten deutschen Chemieausfuhren. Damit liegen die Ausfuhren jedoch fast doppelt so hoch wie der deutsche Chemieexport nach China.

Aus österreichischer Sicht stammt ein Drittel der Chemieimporte aus Deutschland. Im vergangenen Jahr stiegen die österreichischen Chemieeinfuhren aus Deutschland um mehr als 7 %.

Angesichts der guten Wachstumsperspektiven für die österreichische Industrie wird im laufenden Jahr mit Zuwachsraten in vergleichbarer Größenordnung gerechnet.

 

 

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