Chemie & Life Sciences

Die Batterieforschung beschleunigen

Durch innovative Analyse hilft Battronics Forschern, die Literatur über Li-Ionen Batterien schneller zu bewältigen

08.07.2019 - Das Start-up Battronics wurde 2017 von Michael Hess in Zürich gegründet. Der Elektrochemiker bemerkte während seiner Forschungsarbeit an Li-Ionen-Batterien die Vielzahl und Unübersichtlichkeit von Patenten mit teils sehr komplexen Inhalten.

Er nahm sich daraufhin vor, eine Zusammenfassung der großen Datenmenge zu schaffen und damit den eigentlichen Sinn des englischen Begriffs „Research“ – re-search, zu Deutsch: wieder suchen, d. h. jemand anderes hat es schon gemacht – zu vermeiden. Mit seinem Start-up will er den Forschungs- & Entwicklungsabteilungen seiner Kunden mit dem weltweiten Wissen an die Spitze der Forschung verhelfen. Michael Reubold sprach mit dem Firmengründer über seine Erfahrungen und Pläne.

CHEManager: Herr Hess, Forschung und Literaturrecherche – diese Begriffe gehören in der Wissenschaft untrennbar zusammen. Was hat Sie dazu bewogen, ein Start-up zu gründen, um die Recherche zu vereinfachen?

Michael Hess: Ich hatte 2017 bereits neun Jahre an der Weiterentwicklung von Li-Ionen-Batterien gearbeitet. Diese Batterien werden seit fast 38 Jahren erforscht und sind bereits vor 28 Jahren zum ersten Mal auf den Markt gebracht worden. Was ich während meiner Forscherzeit gelernt habe ist, dass diese 38 Jahre Forschung ein unglaublich großes Wissen hervorgebracht haben. Doch leider ist dieser Wissensschatz sehr komplex und auf Tausende Patente verteilt, sodass bisher kein Gesamtbild darüber existiert. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, das gesammelte Batteriewissen unserer Zeit zusammenzufassen, um daraus quasi eine Datenbank zu erstellen.

Battronics ist also eine Datenbank für die Batterieforschung?

M. Hess: Mehr als das! Was mir besonders schnell auffiel war, dass man durch die Kombination von zwei unterschiedlichen Patent­ideen neue Ergebnisse erzielen kann. Das bedeutet, wenn man das Wissen des einen Forschers mit dem Wissen eines anderen unabhängigen Forschers verknüpft, kann man daraus neue Ideen kreieren. Wir superpositionieren also das gesamte Wissen der Menschheit über Batterien, um diese weiter zu verbessern.

Welche Erfahrungen haben Sie in der bisherigen unternehmerischen Laufbahn gemacht?

M. Hess: Die Umsetzung der Fragestellung vom „Warum“ zum „Wie wollen wir die Batterieforschung erweitern?” ist eine Herausforderung an sich, die darin besteht, die Idee auch kundenorientiert umzusetzen, um den Markt zu erreichen. Dies ist der eigentliche Knackpunkt für viele Start-ups.

Wie genau wollen Sie Ihre Markt­idee umsetzen?

M. Hess: In der Vergangenheit mussten wir unsere Angebote bereits ein paar Mal an den Markt anpassen. Das ist eigentlich das Schöne und zugleich auch Herausfordernde an einem Start-up, denn dadurch lernt man schnell und hat die Freiheit, neue Sachen direkt umzusetzen. Man muss sich Strategien für das Marketing, den Vertrieb und auch das Produkt selbst überlegen. Außerdem muss man wissen, dass niemand auf das neue Produkt gewartet hat. Es gibt meist schon Lösungen am Markt. Das neue Angebot muss daher einen deutlichen Mehrwert generieren, da dem Kunden sonst die Wechselkosten vom bestehenden System zu hoch sind.

Wie ist das in Ihrem Fall?

M. Hess: In unserem Fall ist das bestehende System, dass unsere Kunden eigene Forschungsabteilungen mit sehr gut ausgebildetem Personal besitzen. Wir haben unser Start-up also so konzipiert, dass wir als Unterstützer fungieren, sodass die Zeit für die interne Forschung und eigene Recherche der Firmen deutlich verkürzt werden kann. Wir haben insofern Glück, dass es dafür noch kein Tool auf dem Markt gibt und Google auf Suchergebnisse nur bedingt passende Patente vorschlägt. Darüber hinaus bleibt den einzelnen Forschern die relativ lange Lese­arbeit von zwei bis drei Stunden jedoch nicht erspart. Diesen Prozess wollen wir beschleunigen und verbessern.

Welche Ratschläge können Sie Unternehmensgründern geben?

M. Hess: Es muss einem klar sein, dass man mit seiner ursprünglichen Idee scheitern kann. Eigentlich ist ein Start-up der Inbegriff von kontinuierlichem „Trial and Error“, sozusagen auf dem Weg zum laufenden Unternehmen. Denn jede Idee die man umsetzt, hat immer Verbesserungspotenzial. Auch Scheitern viele Strategien meist. Es ist hilfreich, sehr früh an den Markt zu gehen, um vom Feedback der Erstkunden zu lernen. Denn als Start-up muss man sich an die bestehenden Strukturen der Kunden anpassen und dem Kunden einen Mehrwert liefern.
Ich selbst habe am meisten von anderen Start-up-Gründern gelernt. Und zwar nicht von denen, die erfolgreich sind, sondern von denen, die ihre wahre Geschichte mit all den Tiefschlägen und Fehlern berichten. Dadurch kann man einige Probleme im eigenen Start-up frühzeitig erkennen und anpassen. Man sollte ebenfalls sehr auf seine Work-Life-­Balance und seine Gesundheit achten, sodass man nicht innerlich ausbrennt. Nicht ohne Grund gibt es ja den Spruch: „Als Selbstständiger arbeitet man bekanntlich selbst und ständig“. Das sollte aber niemanden davon abhalten, seine Geschäftsidee umzusetzen. Es ist aber em­pfehlenswert, sich über alle Seiten einer Medaille zu informieren, um so bestmöglich auf Eventualitäten vorbereitet zu sein. Denn neben den vielen kleinen Tiefschlägen gibt es auch einen wahnsinnig großen Ozean an Möglichkeiten zu erkunden.
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ZUR PERSON
Michael Hess ist Gründer und Geschäftsführer von Battronics. Nach seinem Mechatronikstudium an der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg ging er für zwei Jahre in die USA, um im Silicon Valley in Kalifornien und am MIT in Boston an Li-Ionen-Batterien zu forschen. Danach zog es Ihn in die Schweiz, wo er an der ETH Zürich an Li-Ionen-Batterien promovierte und sich anschließend mit deren Erforschung beschäftigte. Während dieser Zeit entstand die Idee, Battronics zu gründen, um das enorme Wissen über Li-Ionen-Batterien aufzuarbeiten und zu organisieren.

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BUSINESS IDEA
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Batterieforschung Level 2.0
Pro Monat werden etwa 520 Patente im Bereich der Li-Ionen-Batterien veröffentlicht. Diese riesige Datenmenge bietet sehr detailliertes, aber auch komplexes neuartiges Wissen. Jedoch ist es schwierig, sich über alle Neuerscheinungen zu informieren. Da man für jedes Patent im Durchschnitt circa drei Stunden zum Lesen braucht, benötigt eine einzelne Person ungefähr 1.500 Arbeitsstunden pro Monat. Da ein Monat jedoch in etwa nur 160 bis 180 Vollzeitarbeitsstunden hat, kann man diese Wissensflut allein praktisch nicht verarbeiten.

Batterieforschung bisher: Spezialisten forschen über langen Zeitraum
Bisher ist es so geregelt, dass man in den jeweiligen Industrieunternehmen Spezialisten-Teams für gewisse Teilgebiete der Batterie aufbaut. Diese erarbeiten sich das Wissen mit den bestehenden Patentlandschaften und betreiben selbst Forschung und Entwicklung, um neues Wissen, neue Patente und letztendlich neue Produkte zu entwickeln. Leider ist es dadurch sehr schwierig, gute ­Ideen und neue Methoden auch aus verwandten Forschungsthemen im Blick zu behalten.

Batterieforschung neu: Alles bisherige Wissen gebündelt
Deshalb hat sich bei Battronics auf die reine Auswertung und Bündelung spezialisiert, um so die riesige Datenflut intern zu verarbeiten und diese dann als Zusammenfassung weiterzugeben. Dabei können etwaige Fehler und Lücken erkannt und mit der Rekombination von verschiedenen Patenten sogar neues Wissen generieren und somit ein Beitrag geleistet werden, um die Forschung weiter zu verbessern.

Die Vorteile auf einen Blick
Battronics erspart den Kunden nicht nur den zeitlichen Aufwand, um die Patente zu erfassen und wichtige neue Trends kontinuierlich zu erkennen, sondern kann auch explizite unerforschte Fragestellungen aufzeigen, die das Potenzial haben, neue Patente und Produkte zu entwickeln. Das Unternehmen versucht den Kunden das enorme Wissen geordnet zur Verfügung zu stellen, um Innovationen voranzutreiben. Das grundlegende Ziel des Start-ups ist es, den Kunden die firmeninterne Batterieforschung zu erleichtern und deren Innovation zu beschleunigen.

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ELEVATOR PITCH
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Erfolge, Auszeichnungen, Pläne

Die Idee zu Battronics entstand bei Gründer Michael Hess während seiner Forschungszeit, als er die enorme Datenlage in sogar kleinsten Teilgebieten der Batterieforschung nicht ordentlich überblicken konnte. Die Aktiengesellschaft ist in Zürich angesiedelt und möchte Anfang 2020 auch in Deutschland Fuß fassen. Als erstes Start-up im Bereich der Patent- und Forschungsbeschleunigung überhaupt, möchte Battronics der weltweit führende Dienstleister für innovative Techno­logieunternehmen werden.

Meilensteine
2017
- Gründung der Battronics AG in Zürich
- Registrierung als Schweizer
  Handelsmarke
- Erste Geschäftsidee über Verbesserung der Kaltladeeigenschaften von Batterien verworfen (mangelnde Marktnachfrage)
- Erstellung von Zusammenfassungen ausgebaut und in den Hauptfokus gerückt (gute Marktnachfrage)

2018
- Gewinnung von weiteren Kunden entlang der Batteriewertschö­pfungskette
- Ausweitung der Übersichten auf komplexere Themen wie z. B. Batteriealterung und deren Bestimmung mit empirischen und machine-learning Methoden
- Trademark ausgeweitet auf weltweiten Schutz
- Entwicklung eines viralen Marketingkonzepts

Messen undTagungen
- Energy Start-up Day 2017, Zürich; E-Motive Konferenz 2017, Hannover; Battery Experts Forum 2019, Frankfurt; Silicon Valley Meets Switzerland Forum 2019, Zürich; Battery Show 2019, Stuttgart; VDI Wissensforum „Battery Production“ 2019, München

Funding
- bisher Eigenfinanzierung, vorwiegend Lean Start-up Approach

Roadmap
2019

- Einstellung aller eigenen Forschungsaktivitäten und komplette Spezialisierung auf Zusammenfassungen

2020
- Automation verschiedener Prozesse der Analyse
- Eröffnung einer Zweigniederlassung in Deutschland, da Deutschland zum europäischen Hotspot für Batteriefertigung avanciert (in Vorbereitung)
- Umstellung vom Direktvertrieb auf eine Online-Plattform für besseren Kundenzugang (in Bearbeitung)
 

Über CHEManager Innovation Pitch
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Kontakt

Battonics AG

Bucheggstrasse 50
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