Digitale Transformation aktiv mitgestalten

Chembid-Plattform macht Angebote verschiedener Chemikalien-Marktplätze und -Webshops vergleichbar

  • Christian Bürger, Chembid: „Die Voraussetzungen für Online-Marktplätze in der Chemiebranche sind besser als je zuvor.“Christian Bürger, Chembid: „Die Voraussetzungen für Online-Marktplätze in der Chemiebranche sind besser als je zuvor.“
  • Christian Bürger, Chembid: „Die Voraussetzungen für Online-Marktplätze in der Chemiebranche sind besser als je zuvor.“
  • Chembid: Metasuchmaschine für Chemikalien

Das Internet- und Big-Data-Unternehmen Chembid mit Sitz in Oldenburg wurde 2016 von dem mittelständischen Chemieunternehmen BÜFA gegründet. Mit dem Betrieb einer Metasuchmaschine für Chemikalien stellt das Start-up Market Intelligence-, Sourcing- und Marketingservices für Einkäufer und Anbieter bereit. Das Ziel: die im Internet verfügbaren Informationen zu Chemikalien und Kunststoffen sowie deren Lieferanten zu bündeln, aufzubereiten und besser zugänglich zu machen. Chembid-Geschäftsführer Christian Bürger erläutert, wie das Unternehmen sein Angebot und seine Kundenbasis kontinuierlich ausbauen will.

CHEManager: Herr Bürger, was war die Motivation, eine Chemikaliensuchmaschine als Basis eines eigenen Unternehmens aufzubauen?

Christian Bürger: Die Chembid-Plattform wurde ins Leben gerufen, um die Informationen zum weltweiten Chemikalienangebot besser zugänglich und nutzbar zu machen und so die digitale Transformation des Chemiegeschäfts aktiv mitzugestalten. Seit der Gründung ist es unser Ziel, eine digitale Lösung für die ganze Branche zu schaffen. Heute sind die Chemikalienangebote fast aller relevanten Marktplätze via Chembid zu finden. So bieten wir einerseits Chemikalieneinkäufern die größtmögliche Vergleichbarkeit und Transparenz, andererseits können Lieferanten, Shops und Marktplätze ihre Sichtbarkeit erhöhen sowie wertvolle Markteinblicke erhalten.  

Bereits in der ersten Dotcom-Welle vor gut 20 Jahren gingen einige B2B-E-Commerce-Plattformen an den Start, von denen heute nur wenige übriggeblieben sind. Wie haben sich die Voraussetzungen für Online-Marktplätze seitdem verändert?

C. Bürger: Die Welt, die vor 20 Jahren die Dotcom-Blase schuf, hat sich bis heute in eine Welt verwandelt, in der eine Online-Präsenz schlicht Voraussetzung für den langfristigen Erfolg ist - auch im Chemiesektor. Die Zahl der Internetnutzer weltweit ist seit 2001 von 480 Mio. auf über 4 Mrd. in 2018 gestiegen. Täglich kommen eine Millionen neue Nutzer dazu. Mobile Geräte sind heute leistungsfähiger als es ganze Computer vor 20 Jahren waren. Die heutigen Datenspeicher, E-Commerce-Technologien, Analyse-Tools und Marketingkanäle sind effizienter und kostengünstiger nutzbar als je zuvor.

In einigen Regionen – allen voran China – ist die Nutzung von Online-Chemikalienmarktplätzen bereits weit verbreitet.

„Die Voraussetzungen für Online-Marktplätze
in der Chemiebranche sind besser als je zuvor.“

Im Jahr 2017 haben diese in China alleine einen Umsatz von umgerechnet mehr als 30 Mrd. USD erreicht, und wir sehen auch in anderen Regionen der Welt ein starkes Wachstum bei der Anzahl der erfolgreichen Plattformen. Die Voraussetzungen für Online-Marktplätze sind heute auch in der Chemiebranche besser als je zuvor.

Allerorten liest man, dass Unternehmen der chemischen Industrie den digitalen Wandel vorantreiben. Wie nehmen Sie das Thema wahr? Sind Großkonzerne die Vorreiter und KMUs ziehen nach, oder gibt es auch unter kleineren Unternehmen digitale Pioniere? Immerhin wurde Chembid von einem mittelständischen Chemieunternehmen gegründet…

C. Bürger: Grundsätzlich sehen wir über alle Unternehmensgrößen hinweg starke Bestrebungen hin zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen und in Teilen auch Bestrebungen hin zu neuen digitalen Geschäftsmodellen. Es gibt große Konzerne, die mit eigenen Plattformen an den Start gehen, aber auch Mittelständler und eine Vielzahl kleiner Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern, die heute sehr erfolgreiche Onlineshops betreiben oder neue Dienstleistungen auf anderen Stufen der Wertschöpfungskette anbieten. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan.

Die Gespräche, die wir heute mit Unternehmen führen, sind andere als noch vor zwei Jahren. Man kann sagen, dass die meisten Unternehmen empfänglicher und aktiver im Umgang mit den digitalen Entwicklungen geworden sind. Es hat in einem spürbaren Umfang eine digitale Sensibilisierung stattgefunden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Sensibilisierung auch noch bei den Unternehmen Einzug hält, die das Thema bis jetzt noch vor sich herschieben, damit diese den Anschluss nicht verlieren.  

Welche Erfolgsfaktoren sind entscheidend, damit sich Online-Chemikalienmarktplätze durchsetzen? Welche Daten, Dienstleistungen und Funktionalitäten erwarten die Kunden?

C. Bürger: Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die Einfluss auf Erfolgschancen und Wettbewerbsfähigkeit von Chemikalien-Marktplätzen haben. Sicherlich spielt der Umfang des Produktangebots und die Anzahl der jeweils verfügbaren Anbieter eine besondere Rolle. Einkäufer nutzen Online-Marktplätze, um Angebote und Anbieter zu vergleichen, Unsicherheiten zu reduzieren und einen schnellen Marktüberblick zum gesuchten Produkt zu erhalten.

Um eine erste angemessene Auswahl vornehmen zu können, bedarf es auf der Einkaufsseite meist Informationen zu Produktqualitäten, Liefermengen sowie Verfügbarkeiten und oft auch technischen Spezifikationen oder Anwendungsfeldern. Diese Informationen sollten im digitalen Angebot möglichst gepflegt sein. Wir sehen zudem, dass die Produkte, bei denen bereits Preise oder zumindest realistische Preiskorridore verfügbar sind, weitaus häufiger geklickt und angefragt werden. Die Nutzung sollte möglichst einfach, schnell und ohne Barrieren für die Nutzer sein. Für die Lieferantenseite hat definitiv die Zahl der marktrelevanten, aktiven Plattformnutzer ein besonderes Gewicht, ergänzt um die Möglichkeit der Differenzierung des eigenen Unternehmens sowie die Option, Auswertungen und Analysen zum eigenen Shop zu erhalten.

Neben Netzwerkeffekten und einer „kritischen Masse“ an Nutzern, die für einen langfristigen Erfolg erreicht werden muss, beeinflusst auch die Struktur eines Marktplatznetzwerks die Fähigkeit eines Plattformunternehmens, Wachstum und Größe halten zu können. Konkreter gesagt: Je mehr ein Netzwerk in räumlich lokale Cluster fragmentiert ist – so wie z.B. bei stark regional fokussierten Marktplätzen - und je isolierter diese Cluster voneinander sind, desto anfälliger ist ein Unternehmen für neuen Wettbewerb. Im Zentrum aller Bestrebungen sollte aber immer die User Experience – das Nutzererlebnis als Ganzes – im Umgang mit der Plattform stehen, um eine starke Differenzierung von der Konkurrenz zu schaffen.

Wie haben Sie auf diese Kundenerwartungen reagiert?

C. Bürger: Als Metasuchmaschine, die – vergleichbar mit einer Flugsuchmaschine – im Internet verfügbare Angebote verschiedener Plattformen und Shops weltweit aggregiert, erreicht Chembid mit über 3,4 Mio. Produktangeboten aus über 135.000 Anbietershops bereits die wahrscheinlich größte Vergleichbarkeit und Transparenz für unsere inzwischen weit über 40.000 monatlichen Nutzer. Die Suche selbst ist ohne Registrierung möglich. Eine Vielzahl an Filtern ermöglicht es, das passende Angebot individuell nach den eigenen Anforderungen zu selektieren.

Wir verwenden hohe Energie darauf, die Qualität der Suchergebnisse laufend zu erhöhen. Die stetig intelligenter werdende Suchtechnologie wird es in Kürze zudem möglich machen, nicht nur über eine Produktbezeichnung, sondern auch nach einem Anwendungsgebiet zu suchen und relevante Produktvorschläge einzusehen. Shop-Betreibern und unseren Marktplatzpartnern stehen wir gerne beratend zur Seite und unterstützen sie, Angebote und Inhalte zu optimieren, damit diese besser in der Suche gefunden und mehr Leads und Neukunden generiert werden. Auch wir wissen, dass wir an verschiedenen Stellen noch einige Hausaufgaben zu erledigen haben, deshalb stehen wir im engen Austausch mit unseren Kunden und Partnern. Wir freuen uns über jedes konstruktive Feedback, das uns dabei hilft, die Chembid Plattform für alle Zielgruppen stetig zu verbessern.

Im Juni hat Chembid eine Plattformkooperation mit dem etablierten chinesischen Online-Marktplatz Molbase bekannt geben. Dient die Partnerschaft rein der geografischen Expansion oder erweitern beide Partner dadurch auch ihre Angebote?

C. Bürger: Mit Molbase konnten wir einen weiteren erfahrenen Marktplatzpartner für eine Plattformkooperation gewinnen. Als Metasuchmaschine sind diese Partnerschaften elementar für unser Geschäftsmodell, weswegen wir uns sehr freuen, dass wir uns inzwischen in Kooperationen mit nahezu allen relevanten Chemie-Marktplätzen befinden. Wie für unsere Marktplatzpartnerschaften üblich, können nun auch die Chemikalienangebote der Molbase E-Commerce-Plattform in der Chembid-Suchmaschine gefunden und verglichen werden. Während wir damit das Produktportfolio für den chinesischen Markt und darüber hinaus deutlich erweitern können, gelangen via Chembid zahlreiche neue Nutzer auf den chinesischen Marktplatz. Gemeinsames Ziel ist es, die aus der Partnerschaft resultierenden Synergieeffekte zu nutzen und neue Märkte zu erschließen.

Bereits Anfang 2019 hat das Bielefelder Chemieunternehmen Stockmeier in Chembid investiert. Nach Ausgründung aus der BÜFA-Gruppe ist dies Ihre erste strategische Partnerschaft. Wie soll es mit Chembid weitergehen?

C. Bürger: Für uns steht das Wachstum im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, neben der technischen Weiterentwicklung der Plattform weitere hochwertige Services zu ergänzen, die weltweite Vermarktung voranzutreiben und das Nutzerwachstum in allen Bereichen zu steigern - mit dem Ziel, ein digitales Ökosystem für das weltweite Chemikaliengeschäft zu erschaffen. Durch die Unterstützung unserer Gesellschafter – etablierten Unternehmen der chemischen Industrie – sehen wir uns sehr gut aufgestellt. Wir sind aber grundsätzlich offen für weitere Gespräche mit potenziellen Strategie-, Technologie- oder Servicepartnern, die Synergieeffekte sehen und daran interessiert sind, gemeinsam den digitalen Wandel im Chemiegeschäft weiter voranzutreiben.


ZUR PERSON
Christian Bürger ist seit 2016 Geschäftsführer von Chembid. Zuvor betrieb er als Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens u.a. eine Vermittlungsplattform für Technologiepositionen in Industrieunternehmen und unterstützte Firmen im digitalen Marketing und Unternehmensaufbau. Davor war er bei Mitsubishi Electric und ThyssenKrupp tätig. Sein Bachelor- und Master-Studium absolvierte er im Studiengang Sales Engineering and Product Management (M.Sc.) an der Ruhr-Universität Bochum. Er absolvierte zudem Executive-Management-Programme an der MIT Sloan School of Management und am MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory.

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