Wer hat bei der Digitalisierung die Nase vorn?

Studie: Deutschland punktet mit dem besten „Ökosystem“ für Wissen und Bildung sowie einer hervorragenden Infrastruktur

  • ©  agsandrew/Shutterstock© agsandrew/Shutterstock
  • ©  agsandrew/Shutterstock
  • Tabelle Top Ten des Euler Hermes Enabling Digitalization Index 2019 ©  Euler Hermes Deutschland

Deutschland hat bei der Digitalisierung weltweit die zweitbesten Rahmenbedingungen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes.

In den Top 10 befinden sich mit Dänemark (3), den Niederlanden (4), Großbritannien (5), der Schweiz (7) und Schweden (10) weitere europäische Staaten. Aber auch China (9) hat es erstmals unter die besten zehn geschafft (2018: Rang 17). Schlusslichter bei den 115 im EDI ausgewerteten Ländern sind Liberia, Burundi und Chad.

Die Digitalisierungs-Ampel steht auf Grün – aber manche fahren nicht los
„Die Digitalisierungs-Ampel in Deutschland steht definitiv auf grün“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Allerdings ist das Verhalten der Unternehmenslenker sehr unterschiedlich: Die einen sind mit quietschenden Reifen losgefahren und hervorragend unterwegs im digitalen Zeitalter. Andere wiederum stehen immer noch an der Ampel und finden das Gaspedal nicht. Rahmenbedingungen und Umsetzung sind definitiv zweierlei Schuhe.“
Deutschland punktet vor allem mit dem besten „Ökosystem“ für Wissen und Bildung sowie einer hervorragenden Infrastruktur beim Handel. Sowohl in den Kategorien Wissen als auch Konnektivität hat die Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr noch weiter zugelegt.

Skandinavische Länder schneiden stark ab
„Sechs der zehn Weltbesten sind westeuropäische Staaten. Dabei fällt auf, dass die skandinavischen Länder – insbesondere gemessen an der relativ geringen Größe der Länder – besonders stark abschneiden“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. „Sie kompensieren die fehlende Größe mit Top-Resultaten bei Wissen, Regulierung und Infrastruktur. Davon können sich viele Länder eine Scheibe abschneiden. Dänemark hat dabei den größten Sprung hingelegt und es von Rang zwölf direkt aufs Podium geschafft, mit nur noch knappen Abstand. Deutschland muss also Gas geben.“

Risiko von „digitalen Zombies“
Um zu analysieren, wer bei der Umsetzung die Nase vorne und wer noch Nachholbedarf hat, hat Euler Hermes die Ergebnisse aus dem EDI mit sieben bestehenden Indikatoren für die tatsächliche Umsetzung der Digitalisierung verglichen.

In zahlreichen Ländern haben die Experten erhebliche Diskrepanzen entdeckt.
„Da zeigt sich, dass die Digitalisierung bei vielen Unternehmen nicht immer offene Türen einrennt“, sagt Van het Hof. „Viele Unternehmen lassen noch viel Potenzial ungenutzt auf der Straße liegen – allen voran in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien oder Südkorea. Wenn sie nicht ins Hintertreffen geraten wollen, sollten die Unternehmen deutlich Gas geben bei der Digitalisierung – grüner wird die Ampel nicht mehr. Anderenfalls könnten vermehrt ‘digitale Zombies’ entstehen. Insbesondere die schwächsten Unternehmen sind gefährdet, die nicht genug in die Digitalisierung investieren. Das könnte das Insolvenzrisiko bei diesen Firmen nach oben treiben, denn die Konkurrenz aus den USA oder auch zunehmend aus China schläft definitiv nicht.“
Deutsche Unternehmen zeigten vor allem im Bereich Cloud Computing und bei Spezialisten für Informations- und Kommunikationstechnologie Nachholbedarf.

China zum ersten Mal unter den Top Ten
China hat seine Rahmenbedingungen im letzten Jahr erheblich verbessert und hat sich mit Rang neun erstmals in die Top Ten des EDI katapultiert. Zwar sind die Bedingungen in Singapur oder auch Japan nach wie vor noch besser – allerdings ist der Abstand drastisch geschmolzen.
„China hat das klare Ziel, digitaler Weltmeister zu werden. Dafür tun sie viel“, sagt Subran. „Knackpunkt für den kräftigen Sprung nach vorne ist die deutliche Verbesserung beim Regulierungsindex in China. Es ist inzwischen sehr viel leichter und vor allem auch kürzer, ein Unternehmen zu gründen. Langwierige Prozesse wurden drastisch verschlankt: Mit durchschnittlich neun Tagen für eine Neugründung liegt China nun gleichauf mit den OECD-Ländern mit hohen Einkommen.“

Ergebnisse des Enabling Digitalization Index 2019

  • USA hat weltweit beste Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche ­Digitalisierung
  • Deutschland folgt nur noch knapp vor Dänemark auf Rang zwei
  • China erstmals in den Top Ten – ehrgeizige Digitalstrategie zeigt Wirkung
  • Aber: Rahmenbedingungen und Umsetzung klaffen teilweise aus­einander
  • Viele Unternehmen haben Nachholbedarf und lassen Potenzial bisher ungenutzt
  • Risiko von „digitalen Zombies“ steigt – auch in Deutschland

Methodologie
Anhand von 5 Kriterien analysiert der Euler Hermes Enabling Digitalization Index (EDI) die Bedingungen für die Digitalisierung von Unternehmen.

  • 1. Regulierung: Ein günstiges Unternehmensumfeld ist ein starker Treiber für Finanzierung, Investitionen und Unternehmertum. Indikator dafür ist der Indikator „Distance To Frontier“ aus der “Doing-Business-Umfrage“ der Weltbank. Dies ist ein Anhaltspunkt für Regulierungsaspekte, die für die Digitalisierbarkeit von Bedeutung sind (leichte Kreditaufnahme, Schutz von Minderheitsinvestoren).
  • 2. Wissen / Bildung: Die Entwicklung, der Austausch und die Nutzung von Wissen sind im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung. Klare Wissenstreiber sind der Aufbau von Humankapital und Innovationspotenzial. Dafür wird der vom Weltwirtschaftsforum entwickelte „Skills-Score“ und den „Innovation Score“ herangezogen.
  • 3. Konnektivität: Diese Komponente betrifft sichere und zugängliche Netze für die digitale Transformation. Sie wird anhand von vier Indikatoren bewertet: der Internetnutzerquote, den Verträgen für Mobilfunk- und Festnetz­anschlüsse pro 100 Personen und der Anzahl der sicheren Server pro 100 Personen.
  • 4. Infrastruktur: Eine gute Logistik ist ein Garant für digitale Attraktivität. Als Indikator für sowohl weiche als auch harte logistische Infrastruktur wird der “Logistic Performance Index“ (Doing Business) herangezogen.
  • 5. Größe: Ein großer und digital versierter Kundenstamm ist für Unternehmen unerlässlich. Gemessen wird dies anhand der Anzahl der Internet­nutzer und deren Einkommen (gemessen anhand des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP)).

Autor(en)

Kontaktieren

Euler Hermes Kreditversicherungs-AG
Friedensallee 254
22763 Hamburg

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.