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Chemie-Tarifrunde 2012: 4,5% mehr Entgelt für 19 Monate

24.05.2012 -

Chemie-Tarifrunde 2012: Die Entgelte der 550.000 Chemie-Beschäftigten steigen nach 1 Leermonat um 4,5%. Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 19 Monate. Darauf haben sich Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) nach zweitägigen zähen Verhandlungen in Berlin geeinigt. Die tabellenwirksame Tariferhöhung gilt ab dem 2. Monat, kann aber aus wirtschaftlichen Gründen per Betriebsvereinbarung um bis zu 2 weitere Monate verschoben werden. Unternehmen können ihre Beschäftigten bereits im 1. Monat am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen.

Neu vereinbart wurde ein Demografie-Korridor, mit dem auf individueller und kollektiver Basis eine Wochenarbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden vereinbart werden kann, wenn dies aus demografischen Gründen geboten ist. Zusätzlich investieren die Unternehmen bis 2015 über 200 Mio. € in den Ausbau einer lebensphasengerechten Arbeitszeitgestaltung.

Chemie-Tarifpaket im Detail

1. Entgelterhöhung: Nach Leermonat 4,5% für 18 Monate
Nach 1 Leermonat steigen die Tarifentgelte für die Chemie-Beschäftigten um 4,5%. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional um 50 € erhöht, um die Attraktivität der Branche für Berufseinsteiger zusätzlich zu steigern. Die Entgeltsteigerung wird damit in den Tarifbezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz zum 1. Juli 2012 wirksam. In den Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Berlin (West), Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Westfalen gilt dies ab 1. August 2012. Im Saarland und im Tarifbezirk Ost tritt diese Regelung am 1. September 2012 in Kraft. Die bezirklichen Entgelttarifverträge laufen jeweils 19 Monate und gelten entsprechend bis Ende Dezember 2013 bzw. Ende Januar und Ende Februar 2014.

2. Arbeitszeit: Demografie-Korridor schafft mehr Flexibilität
Neu vereinbart wurde ein Demografie-Korridor, mit dem die wöchentliche Arbeitszeit aus demografischen Gründen flexibilisiert werden kann. Danach kann per freiwilliger Betriebsvereinbarung oder anschließender individueller Regelung die Möglichkeit genutzt werden, eine Wochenarbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden zu vereinbaren. Bei der Nutzung für einzelne Arbeitnehmergruppen ist die Zustimmung der Tarifparteien nicht erforderlich. Über die regelmäßige Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden hinausgehende Arbeitszeit wird grundsätzlich in Zeit ausgeglichen, kann jedoch auch entsprechend vergütet werden.

3. Über 200 Mio. € für lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung
Von 2013 bis 2015 investieren die Unternehmen zusätzlich zum vorhandenen Demografiefonds jährlich 200 € pro Tarifmitarbeiter in einen betrieblichen Topf, durch den Instrumente für die Gestaltung einer lebensphasengerechten Arbeitszeit finanziert werden. Verwendungszwecke sind u.a. Langzeitkonten, das neue Modell "reduzierte Vollzeit 80" und andere geeignete Instrumente zur Förderung alters- und alternsgerechten Arbeitens. Über die Verwendung der Mittel entscheiden die Betriebsparteien. Aus wirtschaftlichen Gründen kann der Betrag um insgesamt 100 € reduziert werden.

Neues Optionsmodell "reduzierte Vollzeit 80" - Umwandlung der Altersfreizeiten
Die Altersfreizeiten in der Chemie (Arbeitszeitverkürzung für Schichtarbeiter ab 55 Jahren um 3,5 Stunden, sonst ab 57 Jahren um 2,5 Stunden) können künftig eingesetzt werden, um länger und flexibler zu arbeiten. Im Modell "reduzierte Vollzeit 80" bringt der Mitarbeiter seine bestehenden Ansprüche auf Altersfreizeiten ein. Zu einem späteren Zeitpunkt erhält er eine 20%ige Arbeitszeitentlastung mit Entgeltausgleich. Dieser Ausgleich wird durch die eingebrachten Altersfreizeiten und den neu geschaffenen betrieblichen Topf finanziert, solange darin Mittel verfügbar sind.
Mit dem Einbringen der Altersfreizeiten arbeitet der Mitarbeiter zunächst Vollzeit weiter; das Unternehmen erhält so für mehrere Jahre eine höhere Arbeitszeitkapazität. Im Gegenzug wird der Arbeitnehmer zum Ende des Erwerbslebens stärker entlastet. Der Zeitpunkt der Arbeitszeitentlastung wird durch die Betriebsparteien festgelegt.
Alternativ können die Betriebsparteien vereinbaren, dass die Mittel für eine Arbeitszeitentlastung in bestimmten Lebensphasen verwendet werden, z.B. zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In diesem Fall wird die Höhe des Entgeltausgleichs auf betrieblicher Ebene geregelt.

Nachwuchssicherung: Attraktivität der Chemiebranche erhöhen
Um die Attraktivität der Chemie-Industrie für Berufseinsteiger weiter zu erhöhen, werden die vielfältigen Maßnahmen der Chemie-Sozialpartner ausgebaut. Mit Chancen für nicht ausbildungsreife Jugendliche, einem hohen Ausbildungsniveau, sicheren Perspektiven nach der Ausbildung, regionalen Vermittlungsplattformen, wenn eine Übernahme nicht möglich ist, und dem neuen Angebot "Berufskompass Chemie" will die Branche der absehbaren Knappheit beim Fachkräftenachwuchs begegnen.

Kontakt

BAVC Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.

Abraham-Lincoln-Straße 24
65189 Wiesbaden
Deutschland

+49 611 77 88 1-0

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