Logistik & Supply Chain

CO₂-Transparenz in der Transportlogistik

Quick Wins: drei Fokusprojekte für eine positive Kosten- und Umweltbilanz

17.09.2020 - Die Gestaltung der Logistiknetzwerke hat einen erheblichen Anteil an einer positiven Kosten- und Umweltbilanz. Unternehmen in der chemischen Industrie sollten vielmehr geeignete Instrumente nutzen, um ihren CO₂-Verbrauch im Transportwesen kenntlich zu machen.

Der Verbraucher honoriert eine positive Umweltbilanz – und die Politik flankiert das mit strikten Vorgaben zur Senkung der CO₂-Emissionen. Wie „grün“ diese Bilanz tatsächlich ausfällt, hängt erheblich von der Gestaltung der Logistiknetzwerke ab. Dennoch nutzen nur wenige Unternehmen in der chemischen Industrie geeignete Instrumente, um ihren CO₂-Verbrauch im Transportwesen kenntlich zu machen. Diese Transparenz verschafft ein Software-Tool, das Transportkosten berechnet und CO₂-Emissionen dokumentiert. Bei seinem Einsatz in entsprechenden Fokusprojekten sind Kosten- und Emissionseinsparungen zwischen 30 und 50 % realisierbar.

Die chemische Industrie sorgt für besonders viel Bewegung auf Deutschlands Transportwegen: 2018 verantwortete sie den Transport von rund 74 Mio. t Chemika­lien, wobei 40 % der Güter per ­Straße unterwegs waren. Damit ist das Handlungsfeld Supply Chain Management und Logistik in zweierlei Hinsicht relevant für den Unternehmenserfolg: Zum einen bergen Kosten, Aufwand und Aspekte rd. um Liefertreue und -service zahlreiche Stellschrauben für die Verbesserung der Bilanz. Zum anderen spielt die Senkung der CO2-Emissionen im Transportwesen eine zentrale Rolle.

„40% der Transporte der chemischen Industrie erfolgten 2018 auf der Straße.“


So sind gesetzliche Vorgaben wie der Emissionshandel oder CO2-Steuern als Kostentreiber frühzeitig in Einkaufs- und Produktionsentscheidungen zu berücksichtigen. Und inzwischen ist eine positive Ökobilanz mehr als nur ein Imagefaktor, da viele Partner und Endverbraucher abhängig von Nachhaltigkeitskennzahlen Kauf- bzw. Kollaborationsentscheidungen treffen.

Transportszenarien simulieren, CO₂-Ausstoß tracken
Die gute Nachricht: An Ansatzpunkten für eine wirksame Emissionsreduzierung mangelt es nicht, sei es im eigenen Fuhrpark oder in Kooperationen mit externen Transportdienstleistern. Leerfahrten sind hierfür ein klassisches Beispiel. Branchenübergreifend war bis vor wenigen Jahren jede fünfte Frachtfahrt innerhalb der EU eine Leerfahrt, in Deutschland fuhren sogar 25 % der Transporter ohne Güter und 62 % nicht voll ausgelastet. Das Problem ist nach wie vor präsent und treibt sowohl den CO2-Ausstoß je Sendung als auch die Transportkosten unnötig in die Höhe.

„25% der Straßentransporte in Deutschland waren Leerfahrten, 62% nicht voll ausgelastet.“


Die Lösung liegt im Einsatz der geeigneten digitalen Tools. Es gilt, mit neuen Technologien ein nachweisbares CO2-Tracking sowie wirksame Hebel zur Kostenreduktion schnell in die Praxis zu bringen – nicht nur wie im genannten Beispiel in der Tourenoptimierung, sondern idealerweise in mehreren Handlungsfeldern zugleich.

Wie das funktioniert, veranschaulicht das Software-Tool ­VaCTOr (Value Chain Transport Optimizer). Anhand von Informationen wie u. a. Sendungs-ID, Postleitzahlen, Gewicht, Lkw-Typ und Reihenfolge der Beladung berechnet die Software CO2-Emissionen nach Kilometern und Touren und zeigt dabei sogar den CO2-Verbrauch in Kilogramm je Tourenabschnitt an. Auch die Emissionen je Sendung sind darstellbar und je Fahrzeug lassen sich Parameter wie die maxi­male Zuladung oder der Dieselverbrauch in Abhängigkeit von der Auslastung definieren.
Da dieses Software-Tool zugleich Transport- und Standort-Szenarien simulieren kann, gibt es einige Optionen, ein CO2-Tracking mit einer Transportkostensenkung zu vereinen. Exemplarisch sind hier drei Fokusprojekte genannt, die nach Erfahrungswerten aus Use Cases in der chemischen Industrie besonders viel Verbesserungspotenzial bieten: eine Tourenoptimierung, die Sendungskonsolidierung sowie eine Netzwerkoptimierung.

„Über 20% der Touren in den Logistiknetzwerken der chemischen Industrie sind nicht kostenoptimal.“


Tourenoptimierung: Mehr als 20 % der gefahrenen Touren in den Logistiknetzwerken der chemischen Indus­trie sind u. a. aufgrund von unnötigen Leerfahrten oder längeren Strecken nicht kostenoptimal. Die in der Mathematik bzw. Informatik als Vehicle Routing Problem (VRP) bekannte Herausforderung kann je Branche sehr unterschiedlich sein – so gelten z.B. für die Tourenoptimierung von Gefahrguttransporten andere Kriterien als für verderbliche Güter oder andere Frachtarten (s. Kasten 1).

Sendungskonsolidierung: Die Zielsetzung des zweiten Fokusprojektes besteht darin, Konsolidierungspotenziale zu identifizieren und zu aktivieren, um so die Transportkosten zu senken. Dazu werden zunächst die Transportkosten vor der Konsolidierung auf Basis der realen Tarife kalkuliert. Anschließend erfolgt die individuelle Simulation der Konsolidierungspotenziale: Welche Sendungen kommen hierfür aus räumlicher und zeitlicher Sicht in Frage? Welche Servicelevels müssen eingehalten, welche Leistungsversprechen berücksichtigt werden?
Nach Abschluss dieser Projektphase werden die Transportkosten nach der Konsolidierung berechnet und mit den ursprünglichen Ist-Transportkosten verglichen, um eine Quantifizierung der Einsparpotenziale vorzunehmen. (s. Kasten 2)

Netzwerkoptimierung: In der Prozess­industrie werden Rohstoffe rd. um den Globus beschafft und auch der Vertrieb der produzierten Ware erfolgt in der Regel regional sowie international. Entsprechend muss die Inbound-Logistik große Transportvolumen bewältigen. Auf der Outbound-Seite ist die Komplexität der Liefernetzwerke mit Kunden wie dem Handel oder der weiter verarbeitenden Industrie zu managen.
Im dritten Fokusprojekt geht es daher in erster Linie darum, Transparenz über Stakeholder und Prozesse des Netzwerkes zu schaffen: so haben z. B. mehr als 35 % aller Verlader aufgrund steigender Komplexität der Transportrelationen keine vollständige Transparenz über die Transportkosten und Vertragskonstellationen innerhalb ihres Logistiknetzwerks. (s. Kasten 3)

Wertschöpfung mit grünem Carbon Footprint
Die geschilderten Fokusprojekte zeigen, dass Emissionsreduzierungen sowohl am eigenen Standort als auch in Kooperation mit Zulieferern, Partnern und Kunden entlang der Wertschöpfungskette innerhalb eines kurzen Zeitrahmens erreichbar sind. Hinzu kommen Entwicklungen wie der technologische Fortschritt in der Automobilindustrie, der auf ­immer emissionsärmere Lkw ausgerichtet ist. Mit Digitalisierungstools wie VaCTOr können Unternehmen diese Entwicklung unterstützen und neben finanziellen Vorteilen einen wirklich „grünen“ Carbon Footprint in ihren Wertschöpfungsnetzen realisieren.

Autoren: Simone Bianca Schuft, Senior Manager für die chemische Industrie und
Daniel Fathmann, Manager, Supply Chain Management

MSG Industry Advisors, Köln

ZUR PERSON

Simone Bianca Schuft ist als Senior Manager für die Chemische Industrie bei MSG Industry Advisors tätig. Dabei unterstützt sie Chemiekunden zu allen branchenspezifischen Fragestellungen als erster Ansprechpartner und spezifisch zu Prozess-, Vertriebs- und CRM-Themen wie auch mit Projekt- und Changemanagement.

Daniel Fathmann ist als Manager im Bereich Supply Chain Management für MSG Industry Advisors tätig. Neben dem Themenfokus Digitalisierung der Supply Chain liegt seine Expertise in der Optimierung von Transportmanagement-Konzepten.

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