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Chemie - Element unseres Lebens

Unter der Motto „Chemie - Element unseres Lebens" treffen sich Chemiker/innen aus aller Welt in Darmstadt

14.08.2013 -

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften.

Alle zwei Jahre veranstaltet sie das Wissenschaftsforum Chemie an wechselnden Orten. Vom 1. bis 4. September 2013 werden 2.000 Teilnehmer im Kongresszentrum Darmstadtium erwartet, darunter internationale Wissenschaftler von Rang und Namen.

Dr. Andrea Gruß sprach mit der Gastgeberin Prof. Barbara Albert, Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

CHEManager: Das Motto des Wissenschaftsforums Chemie 2013 lautet „Chemie - Element unseres Lebens". Was assoziieren Sie damit?

Prof. Barbara Albert: Prozesse in unserem Körper und um uns herum sind chemische Prozesse, und chemische Elemente spielen natürlich die Schlüsselrolle bei diesen Prozessen. Man weiß beispielsweise, dass das chemische Element Lithium zur Behandlung von Depressionen wichtig ist, ohne dass man alle Facetten von Depression bereits verstanden hätte. Zugleich ist Lithium ein sehr wichtiges Element für die Entwicklung neuer Elektroantriebe. Chemikerinnen und Chemiker sind sich dessen bewusst, wie sehr alles um uns herum Chemie ist und wie viel Forschung noch nötig ist, um diese Chemie noch besser verstehen und anwenden zu können. Mit dem Motto des diesjährigen Wissenschaftsforums spannen wir den Bogen von Biochemie über technische Chemie bis hin zur Materialchemie und zeigen an ungezählten Beispielen, welche Relevanz unsere Wissenschaft als Element des Lebens für die Gesellschaft hat.

Wie greifen Sie das Thema im Programm des Wissenschaftsforums auf?

Prof. Barbara Albert: Das Kongresszentrum, in dem wir tagen, trägt ja selbst den Namen eines chemischen Elements, Darmstadtium, und in seinen Sälen, die wiederum nach chemischen Elementen benannt sind, erwarten die Teilnehmer Symposien aller Art - auch solche, in denen alles um ein bestimmtes Element kreist. Das Motto passt ohnehin gut zum Veranstaltungsort. Denn bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt wurden und werden Elemente entdeckt. Deshalb haben wir auch einen Plenarredner eingeladen, der das Thema „Superschwere Elemente" einem breiten Publikum näherbringen kann. Prof. Andreas Türler ist Leiter des Labors für Radio- und Umweltchemie am Schweizer Paul Scherrer-Institut. Außerdem gibt es eine ganze Vortragsreihe der GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie sowie Exkursionen zur GSI.

Was steht weiter auf der Agenda?

Prof. Barbara Albert: Mich freut besonders, dass eine Forscherin, die das aktuelle Gebiet der Elektromobilität bearbeitet, indem sie Lithiumionen-Batterien untersucht, gleich bei der Auftaktveranstaltung die August Wilhelm von Hofmann-Vorlesung halten wird: Prof. Linda Nazar von der University of Waterloo in Ontario. Das viertägige Wissenschaftsforum deckt natürlich alle aktuellen Themen der Chemie, wie Energie, Materialien, Umwelt und Katalyse ab. Der hohe Stellenwert, den Bildung für uns hat, wird durch das Programm der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht deutlich. Und ich freue mich sehr, dass wir auch Raum für wichtige politische Themen haben: ein Symposium mit sehr namhaften Rednerinnen und Rednern zur Arbeitswelt der Zukunft, eine öffentliche Diskussion zum Ranking von Universitäten und einen öffentlicher Abendvortrag von Prof. Michael Braungart zum Thema „Cradle to Cradle - intelligentes Produktdesign". Auch auf den öffentlichen Abschlussvortrag zum aktuellen Thema Fracking bin ich sehr gespannt.

Was verbirgt sich hinter Cradle to Cradle?

Prof. Barbara Albert: Der Ansatz Cradle to Cradle basiert darauf, dass Materialien, die man gebraucht hat, wieder als Ausgangsstoffe eingesetzt werden können. Das setzt voraus, dass Produkte so geplant werden, dass sie sich für Stoffkreisläufe eignen. Hierzu ist eine neue Art des Denkens in der Forschung und Entwicklung von Produkten, aber auch in ihrer Vermarktung und Verwendung, notwendig, die für die Fortentwicklung der chemischen Industrie eine große Rolle spielen könnte. Braungart, der an der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Twente, der TU Delft und der Rotterdam School of Management lehrt, diskutiert das Cradle to Cradle Prinzip an verschiedenen Beispielen.

Das von Ihnen beschriebene Programm der Auftaktveranstaltung spiegelt internationalen Charakter der Tagung wider...

Prof. Barbara Albert: Ja, neben Prof. Linda Nazar aus Kanada wird auch Prof. Lesley Yellowlees aus Großbritannien, die Präsidentin der Royal Society of Chemistry, sprechen, sowie Prof. Ulrich Schubert aus Österreich, der Präsident der Europäischen Gesellschaft für chemische und molekulare Wissenschaften - neben vielen anderen internationalen Beiträgen im wissenschaftlichen Programm. Im Rahmen des Schwerpunkthemas Festkörper- und Materialchemie erwartet die Teilnehmern noch ein besonderer Höhepunkt: ein gemeinsames Symposium mit der Korean Chemistry Society (KCS) zum Thema Nanomaterialien. KCS und GDCh haben letztes Jahr ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Nun kommt die koreanische Delegation mit ihrem Präsidenten Prof. Han-Young Kang nach Darmstadt, damit wir dieses mit Leben füllen.
Korea und Deutschland stehen übrigens in vielen Bereichen vor ähnlichen gesellschaftlichen Herausforderungen, denn die demografische Entwicklung der beiden Länder ist vergleichbar. Auch in Korea wird über eine verstärkte Förderung von Bildung und Grundlagenforschung und Arbeitsformen der Zukunft diskutiert. Die Ergebnisse unserer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Challenges of our Future Working World - Arbeitswelt von morgen", geplant und gestaltet vom GDCh-Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie zusammen mit mir, werden also sicher auch von den Kollegen aus Korea mit Interesse wahr genommen werden.

Warum kommt den Arbeitsformen der Zukunft eine so bedeutende Rolle auf dem Wissenschaftsforum 2013 zu?

Prof. Barbara Albert: Die GDCh hat viele Mitglieder aus einer der größten und stärksten Industriebranchen Deutschlands, die viele gut ausgebildete Arbeitskräfte braucht. Zugleich kommen viele unserer Mitglieder aus Universitäten und Schulen, die für hoch qualifizierte Absolventen verantwortlich sind. Gemeinsam könnten wir Innovationstreiber zum Thema Arbeitsformen der Zukunft sein, um die Herausforderung des in Deutschland bevorstehenden demografischen Wandels zu bewältigen. Der vorausgesagte Arbeitskräftemangel erfordert, dass wir umdenken in Bezug auf die balanciertere Verteilung von Erwerbstätigkeit und Familienfürsorge zwischen Männern und Frauen, um das Potential hoch qualifizierter Chemikerinnen, die heute nicht berufstätig sind, besser zu nutzen. Auch in Bezug auf die Lebensarbeitszeit und auf die Förderung von Immigration von Arbeitskräften wird man neue Wege gehen. Ich bin der Meinung, dass gerade die chemische Fachgesellschaft ein gutes Forum ist, um diese Themen zu diskutieren, denn wir möchten nicht, dass der Standort Deutschland wegen Arbeitskräftemangel und daraus wohlmöglich resultierender Emigration der Chemieindustrie geschwächt wird.

Das Wissenschaftsforum bietet eine gute Plattform für die Verleihung von Preisen. Welche Auszeichnungen werden dort verliehen?

Prof. Barbara Albert: Ein Beispiel ist der Arvedson-Schlenk-Preis, der von Rockwood Lithium, dem Weltmarktführer für Lithiumverbindungen und einem der größten Lithium-Produzenten gestiftet wurde. Dieser Preis gilt als der international wichtigste, der an einen Lithium-Forscher verliehen wird. Mit diesem nun schon mehrfach erwähnten Element beschäftigt sich der diesjährige Preisträger, Prof. Robert E. Mulvey von der University of Strathclyde in Glasgow schon seit vielen Jahren. Darüber hinaus verleihen wir Auszeichnungen, wie den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie an Prof. Bernhard Rieger von der Technischen Universität München, aber auch viele andere. Zwei besonders bedeutende Preise, die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze und der Karl-Ziegler-Preis, werden an Prof. Klaus Müllen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und an Prof. Alois Fürstner, Direktor vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim, vergeben (vgl. CHEManager 13-14/2103). 

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