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Chemiekonjunktur – Chinas Chemiewachstum schwächt sich ab

Unbegrenztes Wachstum ist auch in China kein Selbstläufer mehr

13.04.2015 -

Im Land der Mitte hat sich das Wachstum in den letzten Jahren abgeschwächt. Damit ist China nicht alleine. Auch in anderen Schwellenländern hat die konjunkturelle Dynamik zuletzt nachgelassen. Für das Jahr 2014 weist die amtliche Statistik ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 7,4% aus. Damit wurde das offizielle Wachstumsziel verfehlt - wenngleich nur um 0,1 Prozentpunkte.

Der Umbau der Wirtschaft zu einem stärker konsum- und dienstleistungsbasierten System benötigt Zeit. Zusätzlich existieren weiterhin Instabilitäten im Finanzsektor. Eine Finanzkrise ist zwar unwahrscheinlich, da die Verschuldung überwiegend in Inlandswährung erfolgt. Somit kann die Notenbank jederzeit mit Finanzspritzen eingreifen. Dennoch belasten diese Faktoren die wirtschaftliche Entwicklung. Die Industrie kann sich der Konjunkturabschwächung nicht entziehen. Auch hier ist die nachlassende Dynamik zunehmend sichtbar. Im Gesamtjahr 2014 wuchs die Industrieproduktion „nur" noch um 9%. Zum Jahresanfang 2015 verlangsamte sich das Wachstum weiter. Dies hat auch Rückwirkungen auf das Chemiegeschäft. Nach einem Wachstum von 12,4% im Jahr 2013 und 10,7% im Jahr 2014, stieg die Produktion im ersten Quartal 2015 um rund 10%. Die weiteren Aussichten bleiben für chinesische Maßstäbe verhalten. Das Bruttoinlandsprodukt wird im laufenden Jahr um 6,8% zulegen. In der Industrie bleiben die Wachstumsaussichten mit 8% ebenfalls hinter den Vorjahren zurück. Dies wird sich auch im Chemiegeschäft bemerkbar machen: die Chemieproduktion im Reich der Mitte wird im Jahr 2015 voraussichtlich um 9,5% wachsen können (Grafik 1).

Chemiegeschäft weiterhin im Wachstumsmodus

In den letzten zehn Jahren gehörte China zu den dynamischsten Chemiemärkten weltweit. Die Nachfrage nach Chemikalien stieg im Land der Mitte auf Grund der rasch fortschreitenden Industrialisierung rasant. Die Chemieproduktion wuchs kräftig um durchschnittlich 15% pro Jahr. Selbst in der Finanzkrise musste die Branche nur geringe Wachstumseinbußen hinnehmen. Seit dem Jahr 2012 hat sich das Wachstumstempo, wenngleich auf hohem Niveau, abgeschwächt. Die stockende Weltkonjunktur ging auch an China nicht vorbei. Im ersten Quartal 2015 lag die Chemieproduktion rund 10% über Vorjahr (Grafik 2). Die Abschwächung erfasste dabei das Inlands- wie auch das Auslandsgeschäft. Die vergleichsweise geringe Dynamik in der Industrie im ersten Quartal des Jahres führte zu einer schwachen inländischen Nachfrage nach Chemikalien. Der Aufwärtstrend ist zwar weiterhin intakt, die aktuelle Entwicklung macht aber deutlich, dass „unbegrenztes" Wachstum auch in China kein Selbstläufer mehr ist. Dennoch wird es in den kommenden Monaten weiter aufwärts gehen. Für das laufende Jahr erwarten wir ein Produktionswachstum von 9,5%. Für 2016 erwarten wir ein Wachstum von rund 9%. Die strukturellen Änderungen in China gehen auch am Chemiegeschäft nicht vorbei. Dennoch liegt das Wachstum der Branche immer noch über der BIP-Dynamik.

Umbau der Wirtschaft kostet Zeit

In den vergangenen Jahren beruhte ein Großteil des chinesischen Wachstums auf Investitionen. Im Jahr 2013 standen sie für 47,8% des BIP-Wachstums. Neben der Ausweitung von Produktionskapazitäten wurde die örtliche Infrastruktur ausgebaut und das Immobilienangebot deutlich ausgeweitet. Nach der Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 erhöhte sich das Kreditangebot massiv. Dieses Geld floss zum Teil in unwirtschaftliche Projekte. Im Immobiliensektor führte die Geldschwemme stellenweise zu Blasenbildung. Die Schuldenstände von Unternehmen und lokalen Regierungen stiegen teils massiv an. Die chinesische Zentralregierung hat erkannt, dass Gegensteuern notwendig ist. Sie ist bereit ein geringeres Wachstum in Kauf zu nehmen, um den Umbau des Landes voranzutreiben. Die einseitige Ausrichtung auf Exporte und Investitionen soll abnehmen.

Im Gegenzug soll die Wirtschaft zunehmend auf Binnennachfrage und einen stärkeren Dienstleistungssektor ausgerichtet werden. Darüber hinaus sollen unwirtschaftliche Investitionen zurückgefahren werden. Bereits in den letzten Jahren ging das Wirtschaftswachstum kontinuierlich zurück. Bis zum Jahr 2007 stieg das BIP-Wachstum pro Jahr auf fast 12%. Auch in den Krisenjahren 2008/2009 erreichte China immer noch rund 9% Wachstum. Demgegenüber lag das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2012 bis 2014 bei weniger als 8% (Grafik 3). Die Herausforderung der Zentralregierung liegt nun darin, Reformen weiter umzusetzen, um die Wirtschaft weniger anfällig zu machen und mittelfristig einen Ausgleich zwischen den Wachstumskomponenten zu finden. Dabei muss sie aber darauf achten, das Wirtschaftswachstum nicht über Gebühr abzubremsen. Das Land benötigt ein Mindestwachstum, um den sozialen Frieden zu gewährleisten.

Ausblick: Gute Perspektiven im Chemiegeschäft

Obwohl sich die konjunkturelle Dynamik in China abkühlt, sind die langfristigen Perspektiven für die Chemie weiterhin gut. Mittelfristig führt an China kein Weg vorbei. Sowohl als Absatzmarkt wie auch als Produzent wird die Bedeutung Chinas - nicht nur im Bereich der Chemie - in Zukunft steigen. Die wachsende Mittelschicht passt sich in vielfältiger Weise westlichen Lebens- und Konsumgewohnheiten an. Zusätzliche Impulse kommen aus einer steigenden Attraktivität der Städte. Es ist daher davon auszugehen, dass die Chemienachfrage und damit auch die Produktion von Chemikalien vor Ort in den kommenden Jahren weiter dynamisch wachsen werden. Chinas Anteil an der weltweiten Chemieproduktion wird von aktuell rund 30% auf knapp 50% im Jahr 2030 ansteigen (Grafik 4).

Doch auch in China ist die Phase, in der rasantes Wachstum als gegeben angenommen werden konnte, vorbei. Chinas Herausforderungen sind mannigfaltig. Erste Erfolge sind sichtbar. Der Umbau des Wirtschaftssystems erfordert einen langen Atem. Auch der Aufbau eines Sozialversicherungssystems kostet Zeit. Es ist aber davon auszugehen, dass die Zentralregierung den Willen und auch die finanziellen Reserven hat, um die Transformation auf verträgliche Weise vorzunehmen. Allein im Jahr 2013 lagen die Devisenreserven 3,8 Bio. USD. Dennoch gibt es mittlerweile auch Stimmen, die ein sog. „hard landing"-Szenario für China nicht mehr ausschließen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Regierung erfolgreich ist und eine „weiche Landung" realisieren kann.

 

 

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