Strategie & Management

Lanxess hat beim Thema Digitalisierung Kernprozesse und Nachhaltigkeit im Fokus

Digitale Zukunft mit KI

21.02.2024 - Hermann Schuster, Chief Information Officer (CIO) von Lanxess, hält die Digitalisierung für die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Chemieunternehmens für entscheidend.

Die Digitalisierungsstrategie von Lanxess umfasst die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, die Einführung neuer Technologien entlang der Wertschöpfungskette, den Aufbau und die Nutzung von Big Data sowie die Verankerung digitaler Kompetenzen bei den Mitarbeitern. Das Unternehmen hat sich für eine flexible Arbeitsweise entschieden, um schnell auf die Bedürfnisse der Zielgruppen einzugehen und erste Prototypen und Ergebnisse vorweisen zu können.

Im Rahmen der CHEManager-Serie über die Digitalisierungstrategien namhafter Chemie- und Pharmaunternehmen sprach Hermann Schuster, Chief Information Officer (CIO) bei Lanxess, mit Stefan Gürtzgen darüber, wie Lanxess mit Hilfe innovativer Technologien das Unternehmen transformiert und die Zukunft aktiv gestaltet.


CHEManager: Herr Schuster, wie beeinflusst die Digitalisierung die zukünftige strategische Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens?

Hermann Schuster: Die Digitalisierung ist für die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Chemieunternehmens entscheidend. Für uns gibt es drei verschiedene Ansatzpunkte: Erstens wollen wir einen höheren Reifegrad in Kernprozessen wie etwa Supply Chain Management oder in der Kundenbetreuung erzielen.

 

Die Digitalisierung ist
für die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden
Chemieunternehmens entscheidend.

 

Zweitens arbeiten wir an der Verbesserung von Arbeitsprozessen für alle Mitarbeiter im Rahmen eines digitalen Arbeitsplatzes. Und drittens hilft uns Digitalisierung auf einer strategischen Ebene sehr bei M&A-Prozessen, etwa bei einer schnellen Integration von Unternehmen oder flexibleren Carve-­Out-Projekten.

Wo lassen sich nach Ihrer Meinung die größten Potenziale heben?

H. Schuster: In der Produktion sehen wir bedeutende Potenziale durch die gezielte Nutzung von Datenanalysen. In den vergangenen Jahren haben wir die Verfügbarkeit und Vernetzung unserer Daten signifikant verbessert. Die Implementierung von TrendMiner, einer Datenanalyse­software, in über 100 Betrieben weltweit ermöglicht unseren Mitarbeitenden in der Produktion, auch ohne Programmierkenntnisse fundierte Analysen durchzuführen und Prozesse zu optimieren. Moby.Check, unsere Lösung für mobile Betriebsführung und Instandhaltung, hat die herkömmlichen analogen Checklisten ersetzt und die erfassten Daten effektiver nutzbar gemacht. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit spielen Daten eine entscheidende Rolle, sowohl für unsere eigenen Ziele als auch für die unserer Kunden. Unsere Product Carbon Footprint Engine berechnet automatisch den CO2-Fußabdruck für einen Großteil unserer Produkte, und das TÜV-zertifiziert.

 

Im Hinblick auf Nachhaltigkeit
spielen Daten eine entscheidende Rolle,
sowohl für unsere eigenen Ziele als auch für
die unserer Kunden.

 

Diese innovative Lösung basiert auf Daten aus verschiedenen Unternehmensbereichen und berücksichtigt Emissionen von der Produktion bis zum Werkstor. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz und in Richtung Klimaneutralität.

Welche Technologien sind hierbei besonders wichtig?

H. Schuster: Das größte Potenzial sehen wir aktuell in Themen rund um generative künstliche Intelligenz. Hier erweitert sich das Einsatzspektrum beinahe täglich. Beispielsweise nutzen wir KI bei der Bearbeitung von Kundenaufträgen, beim Management von Verträgen, bei der Analyse großer Datenmengen, in der Unternehmenskommunikation oder bei klassischen Verwaltungsaufgaben. Auch die Kombination generativer KI mit klassischen Automatisierungstechnologien wie Robotic Process Automation – kurz RPA – erscheint erfolgsversprechend, schließlich kombiniert man hier strukturierte Prozesse von RPA mit der Fähigkeit, auch weniger strukturierte Informationen in der generativen KI zu verarbeiten.

Wo stehen Sie bezüglich der Umsetzung Ihrer Digitalstrategie und inwieweit unterstützt Ihre Organisationsstruktur den digitalen Transformationsprozess?

H. Schuster: Seit dem Start unserer konzernweiten Digitalisierungsini­tiative im Jahr 2017 haben wir zahlreiche Projekte im gesamten Unternehmen vorangetrieben. Das Thema Digitalisierung ist mittlerweile fest in allen Ebenen verankert, weshalb wir die Initiative aufgelöst und ihre Aufgaben in die regulären Konzernfunktionen integriert haben. Ein zentrales Data Science Team und viele Bereiche der IT unterstützen weiter aktiv unsere Geschäftsbereiche bei Digitalisierungsprojekten. Dass Digitalisierung so breit innerhalb von Lanxess verankert ist, ist ein klares Zeugnis für den digitalen Reifegrad unseres Unternehmens.

Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf Ihre Unternehmenskultur und welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter in diesem Prozess?

H. Schuster: Unsere Mitarbeiter sind die treibende Kraft hinter unserer digitalen Transformation. In nahezu jeder Abteilung setzen sie sich leidenschaftlich für verbesserte Lösungen durch digitale Technologien ein. Die Dynamik zeigt sich deutlich in unserer neuen KI-Community mit 500 Mitgliedern aus allen Unternehmensbereichen – ein Vorteil besonders in Zeiten knapper ­Budgets. Die Digitalisierung wird bei uns nicht nur durch Vorstandsprojekte vorangetrieben, sondern vor allem durch aktive Zusammenarbeit und Ideen unserer Mitarbeiter. Als IT-Abteilung fördern wir dies, indem wir die Datenverfügbarkeit sicherstellen und mit unserer Expertise unterstützen. Gemeinsam machen wir unsere digitale Transformation effektiver, fördern eine kollaborative Unternehmenskultur und treiben Innovation und kontinuierlichen Fortschritt voran.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen bezüglich Digitalisierung in drei bis fünf Jahren?

H. Schuster: Die Digitalisierung bei Lanxess wird weiter voranschreiten, mit aktuellem Fokus auf künstlicher Intelligenz, aber auch darüber hinaus. Unser Ziel ist es, den digitalen Reifegrad in Kernprozessen des Unternehmens weiter zu steigern und so einen Beitrag zur Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb zu leisten. KI kann uns dabei helfen, Prozesse grundsätzlich neu zu denken und damit einen signifikanten Wettbewerbsvorteil zu erreichen. Das wäre ein großer Schritt nach vorn.

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ZUR PERSON
Hermann Schuster ist seit 2021 Leiter der IT bei Lanxess. Schuster promovierte an der Universität Stuttgart und arbeitet zunächst knapp zehn Jahre bei Bayer, bevor er nach der Ausgründung von Lanxess 2004 neue Aufgaben übernahm und in den Folgejahren mehrere IT-Führungspositionen bekleidete. Mit der Gründung des Joint Ventures Arlanxeo von Lanxess und Saudi Aramco 2016 wurde er Chief Digital Officer des Kautschukproduzenten und baute die IT-Funktion des Unternehmens auf, bevor er 2021 zu Lanxess zurückkehrte.

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